Aktuelle Stunde: Aberkennung des Buchhandlungspreises

Thema: Aberkennung des Buchhandlungspreises für den Golden Shop gefährdet die Kunstfreiheit

Am Abend des 3. März 2026 wurde durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung bekannt, dass der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsminister Wolfram Weimer, drei Buchhandlungen den durch eine unabhängige Jury verliehenen deutschen Buchhandlungspreis wieder aberkannt hat. Grundlage für diese Entscheidung seien nicht weiter erläuterte Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Unter den drei ausgeschlossenen Buchhandlungen befindet sich auch der Bremer Buchladen „The Golden Shop“ im Ostertorviertel.

Seitdem weitet sich der Skandal immer mehr aus. Gegenüber den drei Buchhandlungen wurde das Vorgehen nicht nur verschwiegen, sondern ihnen wurden per E-Mail fehlerhafte Angaben über den Ausgang des Juryverfahrens gemacht. Außerdem wurde inzwischen bekannt, dass der „Golden Shop“ laut Jury nicht nur allgemeiner Preisträger gewesen wäre, sondern auch die Auszeichnung als „besonders herausragende Buchhandlung“ erhalten hätte. Aufgrund befürchteter Proteste gegen dieses Vorgehen wurde die öffentliche Preisverleihung in Leipzig inzwischen abgesagt. 

Das Vorgehen des BKM wiegt auch deswegen besonders schwer, weil die grundgesetzlich garantierte Kunstfreiheit (Artikel 5 Abs. 3) nicht nur das Werk, sondern auch den Wirkbereich besonders schützt, hierzu zählen auch kommerzielle Verbreitungswege wie z.B. Galerien oder eben der Buchhandel. Ein intransparenter, nicht nachvollziehbarer Eingriff in dieses Feld durch einen Staatsminister des Bundes ist ein bisher einmaliger Vorgang, der in diesem Fall die Bremer Kulturszene besonders trifft. 

Miriam Strunge, Sofia Leonidakis, Nelson Janßen und Fraktion Die Linke