Jesid*innen brauchen Schutz – Abschiebestopp jetzt!
Cindi Tuncel: „Jesid*innen brauchen Schutz und Rechtssicherheit, sie dürfen auf gar keinen Fall aus Deutschland abgeschoben werden. Nach wie vor hat sich die Lage im Irak und in Syrien für religiöse Minderheiten nicht verbessert, sie leben in ständiger Angst vor Gewalt durch Islamisten."
Am Sonntag, den 3. August 2025, erinnern Jesid*innen weltweit an den Genozid im Nordirak vor elf Jahren. Am Morgen des 3. Augusts 2014 überfielen Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS) die Sindschar-Region und begingen ein Massaker an Zivilist*innen. Nach Angaben der UN wurden bis zu 10.000 Jesid*innen ermordet und über 7000 jesidische Frauen und Kinder entführt – 2.000 von ihnen gelten bis heute als vermisst.
Cindi Tuncel, Sprecher für Internationales der Fraktion Die Linke in der Bremischen Bürgerschaft, ist selbst Jeside und erklärt: „Jesid*innen brauchen Schutz und Rechtssicherheit, sie dürfen auf gar keinen Fall aus Deutschland abgeschoben werden. Nach wie vor hat sich die Lage im Irak und in Syrien für religiöse Minderheiten nicht verbessert, sie leben in ständiger Angst vor Gewalt durch Islamisten. Die islamischen Milizen breiten sich in der Region wieder verstärkt aus, die Sicherheitslage ist weiterhin sehr angespannt. Europa darf davor nicht die Augen verschließen!“
Dienstag vor einer Woche ist eine jesidische Familie aus Brandenburg von der Bundesregierung in den Irak abgeschoben worden, obwohl sie gegen die Ablehnung ihres Asylantrages juristisch vorging und das Verfahren noch nicht abgeschlossen war.
Tuncel kritisiert: „Es wurden Tatsachen geschaffen, bevor ein Urteil gefällt worden ist, das ist politisch verantwortungslos und juristisch sehr problematisch. Die Familie gehört zu den Überlebenden des Genozids, sie mussten an den Ort zurückkehren, an dem Tausende ihrer Religionsgemeinschaft hingerichtet, vergewaltigt und misshandelt worden sind. An einen Ort, an dem sie bis heute nicht sicher sind vor der Verfolgung und Unterdrückung durch den IS. Diese Abschiebung ist mir unbegreiflich und verurteile ich aufs Schärfste.“
Tuncel abschließend: „Die Bundesregierung sollte sich für den Wiederaufbau Sindschars sowie den Frieden in der Region einsetzen, anstatt wahllos abzuschieben und rechtsstaatliche Prinzipien zu missachten. 2023 hat der Bundestag den Genozid an den Jesid*innen anerkannt und damit auch eine Schutzverantwortung. Jesid*innen in Deutschland brauchen eine dauerhafte Bleibeperspektive. Wir fordern einen generellen Abschiebestopp für geflüchtete Jesid*innen aus Deutschland.“

