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"Mit mehr Zuwendung besser lernen"

Miriam Strunge ist stellvertretende Vorsitzende der Fraktion und Sprecherin für Bildung Kultur, Wissenschaft, Medien, Datenschutz und Informationsfreiheit

Miriam Strunge über LINKE Meilensteine für Studierende und Schüler*innen in benachteiligten Stadtteilen

Welches ist dein Herzensprojekt der vergangenen zwei Jahre?
Eigentlich sind es zwei: Die Doppelbesetzung an Grundschulen in ärmeren Stadtteilen und die Hilfen für Studierende. Mir persönlich ist es wichtig, dass wir jetzt die Schulen in den ärmeren Stadtteilen stärken, indem wir den Einstieg in die Doppelbesetzung schaffen.

Was genau heißt denn Doppelbesetzung?
Neben der Lehrkraft ist noch eine pädagogische Fachkraftgeplant, also ein*e Erzieher*in. Dieses zusätzliche Personal hat die Möglichkeit, individuell auf das Kind einzugehen. Das kann in Form von Einzelarbeit sein, aber auch die Arbeit in einer kleineren Gruppe als der ganzen Klasse ist denkbar. Die Doppelbesetzung verschafft den Lehrkräften Luft und Flexibilität.

Warum brauchen Grundschulen in Gröpelingen oder Tenever das?
Wenn Kinder in die erste Klasse kommen, können manche schon ihren Namen schreiben. Andere haben das erste Mal einen Stift in der Hand. Da stehen Lehrkräfte vor der großen Herausforderung, dass manche Kinder total darauf brennen, jetzt Wörter zu schreiben. Andere verstehen vielleicht gar nicht, was die Lehrerin von ihnen erwartet, wenn sie ihnen einen Stift in die Hand drückt. Eine Erzieherin würde in so einer Situation mit einigen Kindern im Klassenzimmer erst einmal üben, den Stift zu halten und zu malen.

Können Kinder so denn Rückstände aufholen?
Wenn Kinder mehr Zuwendung bekommen, können sie auch besser lernen. Und wenn Kinder wissen, wie man lernt, sind sie auch besser auf den Unterricht an weiterführenden Schulen vorbereitet. 

Warum eine Erzieherin und keine zweite Lehrkraft?
Ich bin überzeugt, dass eine Erzieherin für diese Aufgabe sehr gut geeignet ist. Sie hatte in der Ausbildung einen stärkeren pädagogischen Schwerpunkt als Lehrkräfte im Studium und konzentriert sich nicht nur auf Wissensvermittlung. Außerdem herrscht Lehrkräftemangel. Zwei Lehrkräfte pro Klasse – das wäre ein Versprechen, das wir nicht einhalten könnten.

Aber Erzieherinnen gibt es genug?
Es sind bereits Erzieher*innen an den Schulen, bisher oft nur in Teilzeit. Diese Stellen könnten auch im Interesse der Erzieher*innen selbst leicht ausgebaut werden.

Inwiefern ist die Bildungspolitik LINKER geworden?
Neben dem Fokus auf die armen Quartiere wollen wir Schule demokratischer und diskriminierungsfreier gestalten. Dafür haben wir das Schulverwaltungsgesetz geändert. Schüler*innen bekommen jetzt im wichtigsten Gremium der Schule, der Schulkonferenz endlich genauso viele Stimmen wie Lehrkräfte. An den ReBUZ werden Antidiskriminierungsbeauftragte für Schulen angestellt, dort können sich Schüler*innen und Eltern beschweren und Unterstützung bekommen.

Zu deinem zweiten Herzensprojekt. Wie hat die Bremer Politik Studierende in der Pandemie unterstützt?
Für uns als LINKE war es wichtig, dass die Studierenden in der Pandemie nicht hinten runterfallen. Weil auf Bundesebene nicht viel passiert ist, haben wir auf Landesebene geschaut, wie wir Studierende besser unterstützen können. Wir haben die Langzeitgebühren abgeschafft, damit Studierende keine 500 Euro Gebühren zahlen müssen. Wir haben den Bafög-Bezug um ein Semester verlängert.

Ganz aktuell haben wir ein Startstipendium für Studienanfänger*innen beschlossen, die auf Transferleistungen angewiesen sind. Auch sie sollen sich die Grundausrüstung wie einen Laptop und einen Schreibtisch zum Studienstart kaufen können. Dafür bekommen die Stipendiat*innen einmalig 800 Euro.

Wie viele Studierende brauchen so ein Stipendium denn?
Es gibt keine exakte Zahl dazu, wie viele Studienanfänger*innen zuvor im Hartz-IV-Bezug waren. Klar ist, durch die Pandemie sind noch mehr Menschen in den Hartz-IV-Bezug reingerutscht. Hier zählt aber jede*r Einzelne, die*der mit den finanziellen Hürden zu Studienbeginn nicht alleine gelassen wird, und sich auch deshalb für ein Studium entscheidet.

Wie sind die Reaktionen auf das Stipendium?
Die Studierendenvertretungen sagen, dass das dringend gebraucht wird und freuen sich darüber. Für das Wintersemester können sich Interessierte bewerben. Ich bin sehr gespannt, wie viele Bewerbungen eingehen werden.

Das haben wir erreicht

In Bremen gibt es viele freiberufliche Künstler*innen. Ob DJ oder Bildhauer*in – sie bilden in allen Sparten neben den etablierten Kulturinstitutionen die zweite Säule der lokalen Kulturszene. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren diese Freie Szene klar gestärkt. So haben wir zusätzliche Initiativen in die regelmäßige jährliche Förderung aufgenommen. Wie das Kindermuseum oder das integrative Tanzkollektiv tanzbar Bremen sind sie nun über einen regelmäßigen Sockelbetrag in ihrer Arbeit abgesichert. Auch die Mittel für eine temporäre, projektweise Förderung wurden deutlich erhöht. Nun können neue Ideen ausprobiert werden, zum Beispiel in der Subkultur oder bei jungen Kreativen. Daneben steht zusätzliches Geld zur Verfügung, um Bildungsprojekte mit Kulturbezug anzubieten. Und es existiert nun ein Popbüro, welches die lokale Musikszene fördert und neuen Bands beim Start in der Musikbranche hilft.

Kultur braucht aber nicht nur Geld, sondern auch Orte, an denen sie stattfinden kann. Insbesondere für die Freie Szene hat sich hier in den letzten Monaten viel getan: Das „Irgendwo“ kann nun dauerhaft die Fläche in Flughafennähe nutzen, das ZUCKER konnte den Nutzungsvertrag für den Bunker in Walle endlich unterschreiben, am Güterbahnhof werden für mindestens weitere zehn Jahre Ateliers genutzt und Konzerte stattfinden können. Der Verein Musikszene Bremen hat für seine Proberäume im Alten Zollamt einen langfristigen Pachtvertrag erhalten. Außerdem wird im Tabakquartier in Woltmershausen ein neues „Zentrum für Kunst“ entstehen, das ganz der Freien Szene zur Verfügung steht. Unter diesen erheblich verbesserten Rahmenbedingungen können unabhängige Kulturschaffende nach Corona hoffentlich wieder durchstarten.

  • Mit dem Doppelhaushalt 2020/21 wurde die Kulturszene in Bremen und Bremerhaven massiv gestärkt. Zahlreiche kleine und unabhängige Kunst- und Kultureinrichtungen haben eine Erhöhung der Förderung erhalten, die Verbände der Künstler*innen wurden besser ausgestattet. Insbesondere sind aber die Projektmittel erhöht worden, mit denen einzelne Kulturprojekte gefördert werden.
  • In der Pandemie hat das Land Bremen ein bundesweit einmaliges Stipendienprogramm aufgelegt, um Kunstproduktionen abzusichern und dafür zu sorgen, dass die vielfältige Kulturszene vor Ort nicht zusammenbricht. Mit dem „Club 100“ wurde dazu ein Onlineformat etabliert, sodass das Konzertleben weitergehen konnte
  • Die Langzeitstudiengebühren wurden zum Wintersemester 2020/21 abgeschafft. Die regulären Verwaltungsgebühren werden in einem ersten Schritt spürbar gesenkt. Wir haben außerdem den Bezug von BAföG aufgrund der Pandemie über die Regelstudienzeit hinaus erleichtert. Generell wurde mit dem Wissenschaftshaushalt 2020/2021 der Zuschuss für die Hochschulen deutlich erhöht. Insbesondere die Hochschule Bremerhaven kann nun mehr Studierende aufnehmen und so auch einen Impuls für die Entwicklung der Seestadt setzen.
  • Die Jacobs University wird keine weiteren Millionenzuschüsse aus Steuergeldern für ihr untragbares Geschäftsmodell erhalten. Damit endet eine chronische Subventionskette, die wir seit Jahren scharf kritisiert haben.
  • Im Bereich Schule hat die Koalition vor allem über den Haushalt Schwerpunkte gesetzt. Insgesamt wurde der Etat für Kinder und Bildung um rund 250 Millionen Euro im Vergleich zu 2019 aufgestockt. Mit dem neuen Haushaltsplan wurde die Schulsozialarbeit deutlich gestärkt und für Grundschulen ab 2021 erste Stellen als Einstieg in die Doppelbesetzung mit Fachkräften im Unterricht beschlossen.
  • Damit die Bildungsungerechtigkeit im Zuge der Corona-Krise nicht weiter zunimmt, haben alle Schüler*innen und Lehrkräfte insgesamt 100.000 Tablets erhalten. Damit sichert Bremen die Lernmittelfreiheit auch in Zeiten von Videokonferenzen und Distanzunterricht, so gut es geht. Kein anderes Bundesland hat bisher so weitreichende Schritte in diesem Bereich unternommen.
  • Alle Lehrkräfte bekommen nach schrittweisen Anpassungen ab Mitte 2021 die Gehaltsstufe A13. Damit wird die Schlechterstellung der Lehrer*innen an Grund- und Oberschulen endlich abgestellt.
  • Die Drittelparität für Schüler*innen kommt. Die nötige Änderung des Bremischen Schulverwaltungsgesetzes ist ein wichtiges Ziel aus dem Koalitionsvertrag, das wir umgesetzt haben. Die Sperrmehrheit der Lehrkräfte fällt, Schüler*innen und Eltern bekommen jeweils die Drittelparität in der Schulkonferenz, dem höchsten Gremium an Schulen. Die innerschulische Demokratie wird so erheblich gestärkt.