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"Wir brauchen mehr Beteiligung der Nachbarschaften"

Mazlum Koc ist Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft und politisch besonders in Woltmershausen aktiv.

Mazlum Koc fordert das Wahlrecht für alle und mehr Anerkennung für migrantische Communitys

Welche politischen Themen haben dich in den vergangenen zwei Jahren beschäftigt?
Mazlum: Meine politischen Schwerpunkte sind Beiräte, Jugend und Migration. Ich spreche gern mit Menschen im Stadtteil und kümmere mich um ihre Sorgen und Nöte. Ich möchte dafür sorgen, dass die Nachbarschaften und Communitys mehr eingebunden werden. Da hat sich bereits etwas getan.

Was hat sich verändert?
Die Jugendbeiräte wurden gestärkt. Gut ist, dass wir zwischen den Communitys und Behörden Schnittstellen schaffen und migrantische Frauen in der Arbeitswelt stärken wollen.

Und wo wurden Nachbarschaften aus deiner Sicht zu wenig eingebunden?
Wir brauchen mehr Beteiligung der Nachbarschaften an der Gestaltung ihres Stadtteils. Wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung der Projekte vor Ort und das sehe ich noch nicht ganz. Wir brauchen Projekte in unseren Stadtteilen, bei denen die Bewohner*innen in Entscheidungen eingebunden werden, so können wir letztlich auch die Demokratie stärken.

Du setzt dich also für mehr Beteiligung von Anwohner*innen ein?
Genau, und das nicht nur, wenn ein Gebiet neu geplant wird, sondern in allen Bereichen. Damit alle Bewohner*innen in den Stadtteilen ein echtes Mitsprachrecht haben, müssen wir das Wahlrecht für alle schaffen, damit auch Menschen mit nicht-EU- Pass zumindest ihre Beirät*innen wählen können.

Du bist ja persönlich sehr nah an kurdischen Communitys und engagierst dich in Migrant*innenorganisationen. Wie können sie aus deiner Sicht besser beteiligt werden an der politischen Veränderung von Stadtteilen?
Zuerst einmal sollte man diese Menschen anerkennen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Manche Völker werden in Bremen wie auch bundesweit nicht anerkannt. Zweitens müssen wir das Wahlrecht für alle durchsetzen. Außerdem muss es für alle Bremer*innen möglich sein, sich auch in ihrer Muttersprache über Behörden zu informieren, damit alle unsere Institutionen kennenlernen und verstehen, welche Möglichkeiten sie hier haben. Die Informationen der BSAG zum Beispiel werden nicht ins Kurdische übersetzt. Dabei sprechen so viele Menschen in Bremen Kurdisch. Es braucht zudem mehr Fördermittel für kulturelle Projekte von migrantischen Communitys. Kulturelle Anerkennung ist die halbe Miete, die Finanzierung die andere. Ich glaube, dass die fehlende Anerkennung des Staates auch die Reaktion der Bevölkerung auf die nicht anerkannten Identitäten beeinflusst.

Und was muss dagegen in Bremen aus deiner Sicht passieren?
Die Zweigstelle des Bremer Senats zur Vermittlung zwischen Communitys ist schon mal ein guter erster Schritt. Aber das reicht noch nicht. Es bräuchte dazu Zentren für nicht-anerkannte Völker, Anlaufstellen mit Informationen in der jeweiligen Sprache und weiterer Beratung. Außerdem wäre toll, wenn wir Kindergärten hätten, in den auch Kurdisch und Armenisch gesprochen wird. Wenn man das etablieren könnte, würden zehntausende Menschen in Bremen davon profitieren.