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Kostenfreier Zugang zu Museen in Bremen

Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE:

Die Bremer Museen und Ausstellungshäuser leisten viel, um Besucherin-nen/Besucher anzuziehen und den Aufenthalt in den Häusern attraktiv zu gestalten. Dennoch gibt es Gruppen, die potenziell für Kunst zu interessieren wären, aber selten oder nie den Weg ins Museum finden. Die sogenannte Nichtbesucherforschung zeigt, dass es ganz verschiedene Besuchsbarrieren gibt, aber unter anderem Eintrittsgelder stellen eine große Hürde dar und verhindern, dass Museen als niederschwellige Kultureinrichtungen wahrgenommen werden. Bremen hat bundesweit die höchste Armutsrisikoquote. Jede/jeder Vierte gilt als arm, entsprechend ist die Teilhabe dieser Gruppe an kulturellen Angeboten erheblich einschränkt. Zudem wird das klassische Kulturpublikum aufgrund der demografischen Entwicklung, der Migrationsbewegungen und einer veränderten Mediennutzung immer kleiner und neue Milieus wer-den nicht ausreichend gewonnen.

Freier Eintritt oder eintrittsfreie Zeiten können daher ein wichtiger Baustein sein, um allen Menschen den Zugang zu den Ausstellungen und Sammlungen der Museen zu ermöglichen und immer mehr Menschen für Kunst zu begeistern.
In einigen Städten wurden Initiativen ergriffen, Museen für neue Besuchergruppen zu öffnen und die Eintrittsgelder zeitweise abzuschaffen. So hat es das Museum Folkwang in Essen geschafft, seine Besucherzahlen massiv zu erhö-hen und das Museum als lebendigen Mittelpunkt der Stadtgesellschaft zu etablieren. In der Hamburger Kunsthalle hat ein eintrittsfreier Monat im Mai 2016 einen Ansturm von über 200 000 Besucherinnen/Besuchern bewirkt. Die Diskussion um freien Eintritt ist auch in Bremen nicht neu, sollte aber vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen in anderen Städten wieder intensiver geführt werden.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1. Wie haben sich die Besucherzahlen in den öffentlich geförderten Museen und Ausstellungshäusern in Bremen in den letzten zehn Jahren entwickelt? (Bitte nach einzelnen Häusern und Jahren aufschlüsseln und Sonderausstellungen ausnehmen.)
2. Wie viele Besucherinnen/Besucher gab es durchschnittlich im Jahr 2016 in den Bremer Museen und Ausstellungshäusern jeweils am Sonntag und am Donnerstag? Wie hoch waren die durchschnittlichen Tageseinnahmen durch die Eintrittsgelder? (Bitte nach einzelnen Häusern aufschlüsseln.)
3. Liegen dem Senat Kenntnisse darüber vor, welche Besuchergruppen die Museen besonders intensiv nutzen? (Bitte aufschlüsseln nach Alter, Geschlecht, Wohnort/Stadtteil.)
4. Welche Besuchergruppen müssten nach Ansicht des Senats noch stärker angesprochen werden, und welche Maßnahmen erachtet er hierfür als sinnvoll?
5. Wie hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter im Bereich der Kunstvermittlung und Besucherentwicklung in den Ausstellungshäusern und Museen in den letzten zehn Jahren entwickelt? (Bitte aufschlüsseln nach Häusern, Stellenvolumen und festen und freien Mitarbeiterin-nen/Mitarbeitern.)
6. Wie beurteilt der Senat die aktuellen Anforderungen an Kunstpädagogik/Kunstvermittlung insbesondere hinsichtlich zunehmend bedeutender gesellschaftlicher Faktoren wie Diversität, demografischer Wandel, kulturelle Vielfalt?
7. Wie haben sich die Eintrittspreise in den öffentlich geförderten Museen und Ausstellungshäusern in den letzten zehn Jahren entwickelt? (Bitte für die einzelnen Häuser darstellen für die Jahre 2007, 2009, 2011, 2013, 2015, 2017.)
8. Wie hoch war in den letzten zehn Jahren der jeweilige Anteil der Einnahmen aus Eintrittsgeldern am Gesamtetat der Häuser? (Bitte nach Häusern und Jahren aufschlüsseln.)
9. Welche Ermäßigungen für wen und in welcher Höhe gibt es aktuell in den Bremer Museen und Ausstellungshäusern? (Bitte aufschlüsseln nach Häusern.)
10. Wie beurteilt der Senat vor dem Hintergrund der aktuellen Erfahrungen in Essen (Folkwang Museum) und Hamburg (Hamburger Kunsthalle) das Instrument des freien Eintritts, um die Attraktivität von Museen für die Bürgerinnen und Bürger in Bremen zu erhöhen?
11. Welche Erkenntnisse hinsichtlich der Effekte hat der Senat aus den folgenden Maßnahmen für freien Eintritt in folgenden Einrichtungen gewinnen können:
a) „Kunst unlimited“ (Kunsthalle),
b) „Freier Eintritt für Schulklassen und Lehrpersonen“ (Overbeck Mu-seum),
c) erster Donnerstag im Monat frei (Gerhard-Marcks-Haus),
d) freier Eintritt für unter 18-Jährige (Gerhard-Marcks-Haus)?
12. Welche weiteren Modelle/Maßnahmen für zeitweisen oder grundsätzlich freien Eintritt ohne Einschränkungen gibt oder gab es in Bremen in den letzten zehn Jahren, und wie werden diese seitens des Senats bewertet?
13. Welche positiven Effekte könnten Maßnahmen für freien Eintritt aus Sicht des Senats grundsätzlich haben?
14. Bei welchen öffentlich geförderten Museen und Ausstellungshäusern sieht der Senat Möglichkeiten, die durch (zeitweisen) freien Eintritt entfallenden Eintrittsgelder zu kompensieren?

Miriam Strunge, Cindi Tuncel, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE

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