Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

100 Jahre Erster Weltkrieg - Ehrenbürgerwürde Hindenburgs aberkennen

Antrag der Fraktion DIE LINKE:

Paul von Hindenburg ist kein geeigneter Repräsentant der Freien Hansestadt Bremen, seine Ehrenbürgerwürde muss deshalb aberkannt werden.

1917 wurde Paul von Hindenburg zum Ehrenbürger Bremens. Der damalige Chef des Generalstabes des deutschen Heeres und Mitglied der Obersten Heeresleitung war unter anderem mitverantwortlich für die Eröffnung des U-Boot-Krieges und für das Scheitern verschiedener internationaler Friedensverhandlungen. Die Alliierten forderten nach Kriegsende die Auslieferung Hindenburgs als Kriegsverbrecher.  

Nach der militärischen Niederlage des deutschen Reiches verbreitete Hindenburg die revisionistische Dolchstoßlegende, wonach die Arbeiterbewegung, liberale DemokratInnen und JüdInnen für die Niederlage verantwortlich seien. Der deutsche Militarismus und Nationalchauvinismus, der eine Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trägt, wurde von Hindenburg weiterhin verteidigt und vertreten. An diese Tradition konnten die Nationalsozialisten nach 1933 ungebrochen anschließen.

Hindenburg wurde 1925 zum Reichspräsidenten gewählt. Seine Kandidatur im zweiten Wahlgang wurde maßgeblich von nationalistischen und monarchistischen Kräften der Rechten getragen. Auch Adolf Hitler rief zur Wahl Hindenburgs auf und zog eine eigenständige NSDAP-Kandidatur zurück.

In der Folgezeit verschob Hindenburg die verfassungsmäßige Macht vom Parlament zum Reichspräsidialamt und ermöglichte letztlich die Errichtung der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, indem er Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannte. Wenig später erließ Hindenburg verschiedene Notstandsverordnungen, die die Grundrechte im Sinne Hitlers einschränkten bzw. abschafften und diverse exekutive Befugnisse an die NSDAP übertrugen. Hindenburg war einer der wesentlichen Totengräber der Weimarer Republik und ein Wegbereiter des Faschismus.

Die Nazis machten Paul von Hindenburg noch 1933 in beinahe allen großen Städten zum Ehrenbürger. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges erkannten die Städte Gelsenkirchen (1945), München (1946) und Augsburg (1947) die Ehrenbürgerwürde Hindenburgs wieder ab. Viele andere Kommunen folgten diesem Beispiel Jahrzehnte später: Köln (1989), Stuttgart (2010), Rostock (2013), Duisburg (2013) und  Kiel (2014) strichen Hindenburg zuletzt als Ehrenbürger.

Bremen muss diesen Beispielen folgen und Hindenburg offiziell und öffentlichkeitswirksam aus der Liste der Ehrenbürger entfernen.

Die Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) möge beschließen:

Der Senat wird aufgefordert, Paul von Hindenburg aus der Liste der Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Bremen zu streichen und diese Streichung in geeignetem Rahmen öffentlich zu kommunizieren.

Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE.