Neue Potentiale erschließen! Gewinnung von zusätzlichen Fachkräften für KiTa und Schule

Bundesweit herrscht in den Lehr-, Sozial- und Erziehungsberufen derzeit ein Fachkräftemangel, von dem auch Bremen nicht ausgenommen ist. Durch die zugespitzte Lage bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz, der Kinder- und Jugendhilfe insgesamt sowie der Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsschule ab 2025 sind die Personalbedarfe in Bremen besonders hoch.

Alle verfügbaren Personalreserven müssen deshalb aktiviert und in die Attraktivierung von Ausbildung und Berufstätigkeit in Bremen investiert werden. Darüber hinaus müssen die Bemühungen um Fachkräfte aus dem Ausland intensiviert und Bremen für sie attraktiver werden. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen.

Die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen gilt allgemein aber als kompliziert, bürokratisch und langwierig. Es muss daher geprüft werden, ob sich die Verfahren regelmäßig als zu große Hürde für die Arbeitsaufnahme im pädagogischen oder schulischen Bereich im Land Bremen erweisen und welche Möglichkeiten es gibt, Verfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Wir fragen den Senat:
I. Anerkennungsverfahren zur Personalgewinnung:
1. Wie viele Personen haben seit der Einführung der „Verordnung zur Anerkennung ausländischer Lehrkräfteberufsqualifikationen in Bremen (AV-L)“ im Jahr 2019 einen Antrag auf Anerkennung ihres Abschlusses gemäß der Verordnung gestellt?
a) Bei wie vielen dieser Antragsteller*innen wurde gemäß § 4 Abs. 1 der AV-L eine Gleichwertigkeit des Abschlusses festgestellt und wie viele Antragsteller*innen haben daraufhin eine Tätigkeit als Lehrkraft in einer der Stadtgemeinden des Landes Bremen aufgenommen?
b) Wie vielen Antragsteller*innen wurde eine Ausgleichsmaßnahme gemäß § 4 Abs. 2 der AV-L angeboten und wie viele Antragsteller*innen haben auch tatsächlich die Ausgleichsmaßnahme angetreten?
c) Wie viele Anträge wurden abgelehnt und was waren die jeweiligen Gründe für eine Ablehnung? Bitte alle Angaben nach Kalenderjahren aufschlüsseln und nach EU und Drittstaaten differenzieren.
2. Gibt es regelmäßig wiederkehrende Gründe, die zur Ablehnung des Antrags auf Anerkennung des Abschlusses führen und was unternimmt der Senat, um hierbei kurz- bzw. mittelfristig Abhilfe zu schaffen? (Z.B. mangelnde Sprachkenntnisse, kein ableitbares zweites Fach, etc.)
3. Erfolg der Ausgleichsmaßnahme (bitte auch Personen nennen, die im Nachholverfahren an der Universität sind)
a) Wie viele Personen mit ausländischem Studienabschluss haben eine Ausgleichsmaßnahme nach § 4 Abs. 2 der AV-L aufgenommen und vor ihrem Ende abgebrochen? Was waren die jeweiligen Gründe hierfür?
b) Wie viele Personen haben die Abschlussprüfung am Ende der Ausgleichsmaßnahme nicht bestanden?
c) Wie viele Personen haben inzwischen eine Ausgleichsmaßnahme erfolgreich abgeschlossen?
d) Wie viele dieser Personen haben eine dauerhafte Anstellung als Lehrkraft in einer der Stadtgemeinden des Landes Bremen aufgenommen?
4. Wie bewertet der Senat nach mehrjähriger Erfahrung sowohl das Anerkennungsverfahren durch die AV-L als auch die Ausgleichsmaßnahmen? Welchen Verbesserungsbedarf sieht der Senat?
5. Wurde aufgrund der aktuellen Krisensituation das Verfahren zur Anerkennung von Lehramtsabschlüssen aus der Ukraine im Jahr 2022 beschleunigt? Falls ja, wie sind die Erfahrungen mit dieser Beschleunigung und ließe sich auf der Grundlage dieser Erfahrung auch das allgemeine Anerkennungsverfahrung für ausländische Lehramtsabschlüsse beschleunigen? Falls nein, welche Gründe sprachen gegen eine Beschleunigung des Verfahrens?
6. Wie viele Personen haben seit 2019 die Anerkennung eines im Ausland erworbenen Abschlusses als Erzieher*in, Kinderpfleger*in, Heilerziehungspfleger*in oder in einem pädagogischen Assistenzberuf bei der Senatorin für Kinder und Bildung beantragt? Wie viele Anträge wurden positiv und wie viele negativ beschieden? Bitte nach Kalenderjahren und Professionen aufschlüsseln sowie nach EU und Drittstaaten differenzieren.
7. Wie bewertet der Senat das Anerkennungsverfahren für schulische Sozial- und Erziehungsberufe bei der Senatorin für Kinder und Bildung? Sieht der Senat regelmäßig wiederkehrende Hürden, die zur Ablehnung von Anträgen führen? Sieht der Senat Möglichkeiten, das Verfahren zu verbessern und so die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen zu erleichtern?
8. Wie viele Personen haben seit 2019 die Anerkennung eines im Ausland erworbenen Studienabschlusses als Sozialarbeiter*in, Sozialpädagog*in oder Elementarpädagog*in bei der Senatorin für Kinder und Bildung beantragt? Wie viele Anträge wurden positiv und wie viele negativ beschieden? Bitte nach Kalenderjahren und Studienrichtungen aufschlüsseln.
9. Wie bewertet der Senat das Anerkennungsverfahren für akademische Sozial- und Erziehungsberufe bei der Senatorin für Kinder und Bildung? Sieht der Senat regelmäßig wiederkehrende Hürden, die zur Ablehnung von Anträgen führen? Sieht der Senat Möglichkeiten, das Verfahren zu verbessern?
10. In Bremen ist seit einiger Zeit der Quereinstieg (ggf. mit Nachqualifizierung) von fachnahen Berufsgruppen als pädagogische Fachkräfte möglich. Diese Regelung kann u.a. durch Personen mit einer Qualifikation als/in Beschäftigungs- und Arbeitstherapie, Diakon*in, Ergotherapie, Hebammen / Entbindungspfleger, Kinderkrankenschwestern und -pfleger, Kunstpädagogik, Logopädie, Motopädie, Musikpädagogik, Physiotherapie, Sportpädagogik oder Theaterpädagogik in Anspruch genommen werden. Gilt diese Möglichkeit des Quereinstiegs auch für Personen mit entsprechenden Qualifikationen aus dem Ausland? Wenn ja, wie viele haben dies bereits beantragt und wie wurden die Anträge beschieden? Gedenkt der Senat, die hier aufgezählten Berufe um ausländische Berufsbezeichnungen fachnaher Berufsgruppen zu erweitern? Wenn nein, warum nicht?
11. In Bremen und Bremerhaven werden auch Fachkräfte aus Spanien angeworben, die nach erfolgreichem Abschluss ihrer Qualifizierung und Bestehens des Kolloquiums als staatlich anerkannte Erzieher:in tätig sein können. Wie bewertet der Senat dieses Projekt? Wie bewertet der Senat die Möglichkeit, weitere Fachkräfte in Sozial- und Erziehungsberufen durch entsprechende Anwerbungsprogramme zu gewinnen? Welche Länder eignen sich für solche Anwerbungsprogramme?
12. Wie werden die spanischen Fachkräfte eingruppiert? Sieht der Senat durch eine höhere Eingruppierung der Erzieher:innen Potenziale, die Beschäftigung in Bremen für ausländische Fachkräfte attraktiver zu machen?
II. Weitere Maßnahmen zur Personalgewinnung:
13. Auf Basis welcher kurz-, mittel und langfristigen Bedarfsprognosen für Erzieher*innen kalkuliert der Senat? Wie waren die Ergebnisse des Fachkräftemonitorings, das in Drucksache 20/199 vorgesehen war?
14. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, bereits die Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistenz zu vergüten/finanziell zu unterstützen/leistbarer und attraktiver zu machen?
15. Plant der Senat eine Ausweitung der PiA-Klassen und wenn ja, ab wann soll diese erfolgen? Welche finanziellen Mittel wären notwendig, um alle Weiterbildungsplätze zur*zum Erzieher*in in eine praxisintegrierte Weiterbildung umzuwandeln?
16. Wie bewertet der Senat die Möglichkeit, in Kindertagesstätten in Bremen und Bremerhaven Stellen für pädagogische Fachkräfte mit akademischen Abschlüssen zu schaffen bzw. attraktiver zu machen? Welche Abschlüsse kommen auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung von multiprofessionellen Teams in den Einrichtungen in Frage?
17. Wie bewertet der Senat die Möglichkeit, Umzugsprämien für pädagogische Fachkräfte anzubieten, die zum Zwecke der Berufstätigkeit in diesem Feld nach Bremen und Bremerhaven ziehen?
18. Welche weiteren Möglichkeiten sieht der Senat über das begrüßenswerte Verbleiben der „4-Quartalskinder“ in Krippengruppen hinaus, um pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten zu entlasten, beispielsweise hinsichtlich Leitungs- und Anleitungsstunden oder Vor- und Nachbereitung?
19. Welche weiteren Möglichkeiten erwägt der Senat, um Lehrkräfte für die Schulen zu gewinnen, die Sozialindikator 4 oder 5 aufweisen? Wie beurteilt der Senat konkret die Möglichkeiten hinsichtlich
a. Zuschlägen für die Tätigkeit in Schulen mit Sozialindikator 4 und 5;
b. Reduzierung des Stundendeputats für Lehrkräfte mit Sozialindikator 4 und 5;
c. Abordnung von Lehrkräften an unterbesetzte Schulen mit Sozialindikator 4 und 5?

Sofia Leonidakis, Miriam Strunge, Nelson Janßen und Fraktion DIE LINKE
Dr. Solveig Eschen, Christopher Hupe, Björn Fecker und Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Jasmina Heritani, Petra Krümpfer, Gönül Bredehorst, Jörg Zager, Mustafa Güngör und Fraktion der SPD