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Grundwassersanierung beim Tanklager Farge beschleunigen

Der Boden und das Grundwasser unter dem Tanklager sind durch den Betrieb des 70 Jahre alten Tanklagers nachhaltig vergiftet. Die sogenannte "Fahne" der Vergiftung erstreckt sich bis zu 800m in südlicher Richtung, das heißt bis in Wohngebiete in Farge. Wasser aus Gartenbrunnen der Anlieger "riecht nach Benzin". Die gefundenen Stoffe sind u.a. als krebserregend einzustufen. Über Jahre haben die Anwohner das Wasser arglos zur Bewässerung der Gärten und in Planschbecken genutzt. Eine Warnung bezüglich der Grundwassernutzung wurde erst 2009 ausgesprochen. Obwohl einige Quellen der Vergiftung ausgemacht sind, sind bis heute nicht alle Ursachen geklärt. Die bisher eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen dauern nach Angaben der Umweltbehörde noch ca. 10 Jahre. Eine komplette Aufklärung und beschleunigte Sanierung sind dringend erforderlich.

Zur Geschichte und Größe des Tanklagers

Das Tanklager Farge wurde im zweiten Weltkrieg von der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft (WIFO) für die Wehrmacht errichtet, wahrscheinlich mit Einsatz von Zwangsarbeitern. Nach Kriegsende wurde es zunächst von der US Army betrieben, 1957 ging es in das Eigentum des Bundesverteidigungsministeriums über. Betrieben wurde es von der WIFO-Nachfolgerin Vereinigte Tanklager und Transportmittel Gesellschaft (VTG), die 1961 privatisiert wurde und das Tanklager zwei Jahre später an die Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) übergab. Diese wurde zunächst teilweise und 1993 voll privatisiert. Seitdem wird das Tanklager von privaten Unternehmen betrieben, zurzeit vom Unternehmen TanQuid. Die Bundeswehr als Eigentümerin möchte das Tanklager zum 31.5.2013 jedoch aufgeben, so dass auch TanQuid den Betrieb einstellen wird.

Das mehrere Quadratkilometer große Tanklager auf bremischem und niedersächsischem Gebiet umfasst 78 unterirdische Tanks mit einem Gesamtvolumen von 319.500 m³ sowie die dazugehörige Infrastruktur an Rohrleitungen, zwei Verladebahnhöfe mit Gleisanbindung, einen Kanisterabfüllplatz etc. und verfügt über eine Hafenanbindung.

Art und Umfang der Vergiftung des Bodens und des Grundwassers

Für die Sicherheit der Einrichtungen zuständige Kontrollbehörde ist die Gewerbeaufsicht des Landes Bremen. Für etwaige Umweltschäden ist das Ressort des Umweltsenators zuständig. Dessen Referat Bodenschutz/Altlasten hat 2007 erstmals Grundwasseruntersuchungen veranlasst, bei denen massive Kontaminationen mit BTEX (Kohlenwasserstoffe Benzol, Tuluol, Ethylbenzol und Xylol) und MTBE (Methyltertiär-Butylether) festgestellt wurden.

Wie es in einem Bericht der Verwaltung aus der Sitzung der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie vom 24.11.2011 heißt, betrugen die BTEXKonzentrationen bis zu 350.000 ìg/l – bei einem Prüfwert von 10-30 ìg/l bzw. einen „Maßnahmenschwellenwert“ von 50-100 ìg/l. BTEX können z.B. Nierenschäden verursachen, Benzol gilt zudem als krebserregend.

Die MTBE-Konzentrationen betrugen bis zu 1.600 ìg/l, bei einer Geringfügigkeitsschwelle von 15 ìg/l. Auch MTBE werden z.B. von der Deutschen Forschungsgesellschaft als „krebserzeugende Arbeitsstoffe“ eingestuft.

Die bisher vermuteten und bekannten Ursachen sowie bisherige Gegenmaßnahmen

Das Umweltressort vermutet, dass die Ursachen für diese erheblichen Grundwasserkontaminationen im zweiten Weltkrieg und der Zeit danach liegen, da bei Bombenalarm volle Treibstoffkessel abgelassen worden seien. MTBE werden jedoch nach Auskunft des Umweltressorts (Bericht der Verwaltung in der städtischen Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie am 24.11.2011, Seite 2) erst seit den 1980er Jahren verwendet, so dass spätere Leckagen wahrscheinlich erscheinen.

Die höchsten Schadstoffbelastungen wurden am Verladebahnhof II gemessen, daher wurden dort als „Sofortmaßnahme“ im Jahr 2010 vier Brunnen auf dem Gelände gesetzt, aus welchen belastetes Grundwasser gefördert wird. Mit dieser Grundwassersanierung an der vermuteten Hauptbelastungsquelle soll die weitere Ausbreitung der Schadstoffe vermieden werden, die bereits verbreiteten Schadstoffe sollen sich biologisch selbst abbauen. Zudem hat das Umweltressort die Bundeswehrverwaltung aufgefordert, kontinuierlich und in größerem Umfang das Grundwasser zu überwachen.

Diese Grundwassersanierung könnte laut Umweltressort 10 Jahre oder mehr dauern, angenommen, weitere Schadensquellen gibt es nicht. Weitere mögliche Maßnahmen, wie das Ausheben des belasteten Bodens am einzig betriebenen Verladebahnhof II, werden derzeit nicht vorgenommen.

Offene Fragen

Derzeit sind viele Fragen offen. Sind Vorfälle von vor über 60 Jahren die alleinige Ursache der Vergiftung? Der Grad der Vergiftung, die Größe der Ausbreitung und die Beschaffenheit der Stoffe lassen das als unwahrscheinlich erscheinen. Die Indizien und Hinweise deuten auf weitere Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit und/oder auf permanente Leckagen in Rohrleitungen, Tanks und Abfüllanlagen. Anders ist der Fund von MTBE, die nach Auskunft des Umweltressorts erst „seit Mitte der 80er Jahre im Zuge der Einführung von bleifreiem Benzin dem Kraftstoff als Klopfschutzmittel zugesetzt“ (Bericht der Verwaltung vom 24.11.2011) wurden, nicht zu erklären.

Warum gab es nach der eher zufälligen Entdeckung der Vergiftung im Jahr 2007 keine umfängliche und systematische Erforschung der Ursachen? Nach Expertenmeinung hätte es deutlich mehr Möglichkeiten der Beprobung des Bodens und des Grundwassers gegeben. Warum wurden die Anwohner nicht häufiger über die Risiken der Grundwassernutzung informiert? Ein Brief von vor 3 Jahren ist da zu wenig. Wann dringt das vergiftete Grundwasser in Bereiche und Schichten vor, die auch zur Trinkwassernutzung dienen? In der Gegend sind rund um das Tanklager Brunnen der anliegenden Wasserwerke. Sie holen derzeit nach unseren Informationen, das Wasser aus tiefer gelegen Schichten. Ob das vergiftete Grundwasser bis dahin vordringen kann, ist unklar.

Sind die vier Brunnen zur Entgiftung des Grundwassers die einzig mögliche Gegenmaßnahme und reicht sie eigentlich aus? Bisher wurde der Boden an den besonders betroffenen Stellen (Verladebahnhof II) nicht ausgebaggert, unterirdische Abschottungen wurden nicht gesetzt. Solche Maßnahmen wurden bisher u.a. aus Geldmangel nicht in die Wege geleitet. Der derzeit angestrebte Sanierungszeitraum von 10 Jahren ist deutlich zu lang.

Die Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) möge beschließen:

1. Der Senat wird aufgefordert, zusammen mit dem Bund und dem jetzigen Eigner des Geländes, der Bundeswehr, unverzüglich eine umfangreiche und systematische Erforschung der Ursachen der Grundwasservergiftung durch den Betrieb des Tanklagers Farge einzuleiten.

2. Der Senat wird aufgefordert, der Stadtbürgerschaft bis zum 31.01.2013 einen Bericht über die technischen und institutionellen Möglichkeiten vorzulegen, die Grundwasserund Bodenkontaminationen im Tanklager Farge und den angrenzenden Wohngebieten schneller zu beheben.

3. Der Senat wird aufgefordert, im Rahmen seiner Möglichkeiten eine weitere Nutzung des Tanklagers über den 31. Mai 2013 auszuschließen.

4. Der Senat wird aufgefordert, im Rahmen eines Sanierungskonzeptes für das Gelände des Tanklagers und des Grundwassers, dafür zu sorgen, dass die derzeit im Tanklager beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung bei der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen erhalten.

Klaus-Rainer Rupp, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE


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