Daraus wurden weitere Fragestellungen abgeleitet:
Welche Erwartungen und Wünsche gibt es zu Wohn- und Lebenskonzepten?
Welches sind die Werte des gemeinsamen Wohnens?
Welche Wünsche bestehen in Bezug auf das Wohnumfeld – sowohl im Innen- als auch im Außenbereich?
Der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum nahm in den Diskussionen einen großen Raum ein. Den Kommunen wurden von den Frauen in die Verantwortung genommen, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Forderung von behindertengerechten Wohnungen war ein weitere wichtiger Aspekt und damit ein generationsübergreifendes selbstbestimmtes ökologisch ausgerichtetes Wohnen und Leben.
Die Arbeitsgruppe äußerte den Wunsch, dass über dieses Thema - möglicherweise in einem Tagesseminar- ausführlicher und mit mehr Zeit diskutiert werden sollte.
Das Abschlussreferat hielt Dr. Gesine Lötzsch (MdB und Parteivorsitzende DIE LINKE).
Gesine berichtete, dass sie morgens auf einer Einschulungsfeier gewesen sei. An dieser Schule arbeiten drei Männer – zwei Lehrer und der Hausmeister. Die Arbeit, die auch einen Anteil pflegerischer habe, sei immer noch Frauensache. Im Gegensatz dazu wies sie auf die ganzseitigen Anzeigen in der bürgerlichen Presse hin, die eine Dinosaurier-Technologie unterstützt – die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken.
Diese Anzeige war von fünfzig Männern unterschrieben. Ob sie keine Frau gefunden hätten oder nicht daran gedacht haben, überhaupt eine zu fragen, sei dahingestellt. Diese Anzeige wird nicht aus der Privatschatulle der Herren bezahlt, sondern über die von der Bevölkerung bezahlten Stromkosten.
Dasselbe stelle man sich vor, wenn fünfzig arbeitslose Frauen gegen die Streichung ihres Elterngeldes eine Anzeige schalten wollten. Sie würden es tatsächlich selber bezahlen müssen. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die ungleiche Verteilung von Reichtum auch eine Einschränkung demokratischer Rechte und Möglichkeiten bedeutet. Gesine führte aus:
„Die Teilhabe von Frauen an der Demokratie ist ein Gradmesser für die Reife einer Demokratie. In den letzten zehn Jahren wurden Frauen verstärkt aus demokratischen Prozessen heraus gedrängt. Dabei geht es mir nicht in erster Linie um die Teilnahme an Wahlen oder die Möglichkeiten, in Parteien und Gewerkschaften mitzuwirken. Es geht um die Verteilung von Arbeit und Reichtum! Die Zahl der prekär Beschäftigten nimmt dramatisch zu. Das hat direkte Auswirkungen auf unsere Demokratie: Prekäre Beschäftigung heißt auch prekäre Mitbestimmung!“
Die Verdachts-Kündigungen wegen vorgeblicher Bagatelldeliktenzeigen in aller Deutlichkeit das Signal der Arbeitgeber: Demokratie hat in der Wirtschaft nicht zu suchen, wer aufmuckt – fliegt! Die LINKE sagt dagegen:
Wirtschaft darf kein Demokratie-freier Raum sein!
Wirtschaft muss demokratisch kontrolliert werden!
Monique Troedel, die Fraktionsvorsitzende und Organisatorin der Konferenz, versprach in ihrer Abschlussrede, dass weitere etwa zweistündige Abendveranstaltungen aus den Ergebnissen der vier Arbeitsgruppen folgen werden.
Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn – und Personalausgleich mit der Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil von Forderungen der Gewerkschaftsfrauen. Zeit, ein Faktor im Leben von Frauen, der immer zu kurz kommt, vor allem die Zeit für sich selbst. Müßiggang und Faulheit – ein Recht, dass Frauen sich endlich nehmen müssen!
Dieses Recht gestehen Frauen sich oftmals nicht zu, weil sie ganzheitlich denken, planen und handeln, immer im Bewusstsein der Verantwortung für andere.
Die Quotierung ist immer noch wichtig und sollte auch auf die Bereiche in der Erwerbsarbeit beziehen, die derweil noch hauptsächlich von Frauen ausgeführt werden. Halb im Spaß, halb im Ernst forderte Monique die Quotierung im Innenreinigungsgewerbe.
Sehr ernsthaft dagegen war die Frage: „Wird Arbeit nur respektiert, wenn sie bezahlt wird?“
Moderation: Christa Bremsmann (Mütterzentrum Osterholz-Tenever) und Christina Bock (Mitstreiterin des Bremer Beginenhof-Modells)