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„Diese Frauenkonferenz ist auch eine Anregung für eine ähnlich konzipierte Männerkonferenz“. Diesen Schluss zog der Fraktionsvorsitzende Peter Erlanson in seiner Eröffnungsrede. Er stellte darin fest, dass Lebensperspektiven von Männern und Frauen sich unterscheiden. Männerperspektive heißt auch heute noch in erster Linie „Erwerbsarbeit“, alles andere würde eine untergeordnete Rolle spielen.
Die Perspektiven, die Frauen für sich entwickeln, sind sowohl auf Erwerbsarbeit als auch auf Reproduktionsarbeit ausgerichtet. Genau diese Ausrichtung ist ihr Reichtum und ihre Armut: Frauen sind die Hauptleidtragenden der Krise, der zwangsweise Rückzug ins Private ist auch politisch gewollt.
Gemeinsame Ziele zu entwickeln und umzusetzen sind Zukunftsaufgaben, deshalb zitierte Peter Erlanson zum Schluss Ernst Bloch: „Wir sind, aber wir haben uns noch nicht, deshalb werden wir erst!“
Das Einführungsreferat hielt die Fraktionsvorsitzende Monique Troedel in Vertretung von Sybille Stamm, die in der Deutschen Bahn festhing. Auch sie begann mit einem Zitat: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommel nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“
In ihrem Referat ging es um eine gesellschaftliche Alternative, einer konkreten Utopie, für die es sich zu kämpfen lohnt. Es geht um die Entwicklung einer Utopie von Frauen, die eine Utopie für Alle ist. Es geht um die Chancen einer neuen marxistisch-feministische Strategie, um einen grundlegend neuen Gesellschaftsvertrag.
Sie verwies auf die gewerkschaftlichen Kämpfe um Arbeitszeitverkürzung: „Es ging nicht nur um die Umverteilung von Arbeit, sondern auch darum, mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Zeit ist eine zentrale Kategorie in unserem Leben!“
Zeit für Erwerbsarbeit, Zeit für Reproduktionsarbeit, Zeit für Politik und Zeit für die persönliche Entwicklung – die Grundlage für das Konzept von Frigga Haugs „Vier-in-Einem-Perspektive“. Dieses Konzept eines radikalen Umbaus unserer Gesellschaft basiert auf einer neuen Arbeitsteilung:
1. Vier Stunden Zeit mit dem Recht auf bezahlte Erwerbsarbeit für Frauen und Männer.
2. Vier Stunden Zeit für die gleichberechtigte Sorge- und Familienarbeit.
3. Vier Stunden Zeit für die Entwicklung kultureller Fähigkeiten, durchaus auch Zeit für Müßiggang.
4. Vier Stunden Zeit für Frauen und Männer, um partizipativ Gesellschaft und Politik mitzugestalten.
„Die politische Kunst liegt in der Verknüpfung der vier Bereiche, keiner sollte ohne die anderen gedacht werden. Die Verteilung von Macht, Geld und Zeit muss in wird unsere Zukunft bestimmen. Der Neoliberalismus lässt keinen Raum für Lebensentwürfe jenseits der Diktatur der Märkte, wir brauchen eine konkrete Utopie als eine über den Kapitalismus hinausweisende Strategie.“
Die „Vier-in-Einem-Perspektive“ ist dafür geeignet und wir Frauen sollten die Verhältnisse zum Tanzen bringen!
Auch dieses Referat endete mit einem Zitat:
„Der Beginn
Es beginnt etwas Neues.
Nimm Deine Schuhe
Wir gehen jetzt Steine erschüttern!“
Nach einem Imbiss, der zum Stärken, Austausch und (Wieder-)anknüpfen neuer und alter Beziehungen genutzt wurde, hielt Annette Düring (Vorsitzende DGB Bremen) ein Grußwort. Annette sagte, sie hätte immer gute Erfahrungen gemacht, wenn Frauen zusammenkommen, Themen zu diskutieren, Lösungen zu suchen und Veränderungen auf den Weg zu bringen. Frauen sind kreativer in der Entwicklung von Utopien!
Drei Themen bildeten die Schwerpunkte ihres Referates:
Obwohl die Erwerbstätigkeit von Frauen, vor allem im Westen zunimmt, erhalten Frauen geringere Renten. Ursächlich dafür ist das um 23% geringere Einkommen. Frauenarbeitsplätze sind vorwiegend die im Dienstleistungs-, Gesundheits-, Erziehungsbereich. Darunter fallen die Tätigkeiten im Einzelhandel und in der Innenreinigung mit vielen Befristungen, Mini-und Midijobs. All diese Arbeiten sind allgemein schlechter bezahlt.
Nach diesen Aussagen differenzierte Annette die Unterschiede zwischen den Generationen:
Junge Menschen haben es zunehmend schwerer, einen sicheren ersten Job zu bekommen: Arbeitslosigkeit, Befristungen, Leiharbeit, Praktika – das ist die Arbeitswelt, die junge Leute prägen.
Annette leitete daraus zwei Forderungen ab:
Annette wies auf die Herbstaktivitäten hin, in die sich Frauen besonders einmischen und mitmachen sollten. In sozialen Bündnissen und überparteilich sollten wir uns engagieren unter dem Motto:
Gerecht geht anders!
Aktionstage im Herbst:
29.09. Europaweitertag gegen Sparmaßnahmen
07.10. Menschenwürdige Arbeit – gegen prekäre Arbeit
27.10. Zu Absicherung im Alter – Rente muss existenzsichernd sein!
Zum Thema des neuen und alten Feminismus danke sie den „alten“ Streiterinnen wie Alice Schwarzer, macht aber zugleich deutlich, dass die „jungen“ Frauen anders für ihre Rechte kämpfen. Kein Gegeneinanderstellen von der „eiskalten Karrierefrau“ gegen die „Sorgende Familienfrau“. Der neue Feminismus lebt von der Gleichstellung und der Gleichberechtigung unterschiedlichen weiblichen Lebens.
High heels und Birkenstock – beides ist berechtigt!
Das Abschlussreferat hielt Dr. Gesine Lötzsch (MdB und Parteivorsitzende DIE LINKE).
Gesine berichtete, dass sie morgens auf einer Einschulungsfeier gewesen sei. An dieser Schule arbeiten drei Männer – zwei Lehrer und der Hausmeister. Die Arbeit, die auch einen Anteil pflegerischer habe, sei immer noch Frauensache. Im Gegensatz dazu wies sie auf die ganzseitigen Anzeigen in der bürgerlichen Presse hin, die eine Dinosaurier-Technologie unterstützt – die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken. Diese Anzeige war von fünfzig Männern unterschrieben. Ob sie keine Frau gefunden hätten oder nicht daran gedacht haben, überhaupt eine zu fragen, sei dahingestellt. Diese Anzeige wird nicht aus der Privatschatulle der Herren bezahlt, sondern über die von der Bevölkerung bezahlten Stromkosten.
Dasselbe stelle man sich vor, wenn fünfzig arbeitslose Frauen gegen die Streichung ihres Elterngeldes eine Anzeige schalten wollten. Sie würden es tatsächlich selber bezahlen müssen. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die ungleiche Verteilung von Reichtum auch eine Einschränkung demokratischer Rechte und Möglichkeiten bedeutet. Gesine führte aus:
„Die Teilhabe von Frauen an der Demokratie ist ein Gradmesser für die Reife einer Demokratie. In den letzten zehn Jahren wurden Frauen verstärkt aus demokratischen Prozessen heraus gedrängt. Dabei geht es mir nicht in erster Linie um die Teilnahme an Wahlen oder die Möglichkeiten, in Parteien und Gewerkschaften mitzuwirken. Es geht um die Verteilung von Arbeit und Reichtum! Die Zahl der prekär Beschäftigten nimmt dramatisch zu. Das hat direkte Auswirkungen auf unsere Demokratie: Prekäre Beschäftigung heißt auch prekäre Mitbestimmung!“
Die Verdachts-Kündigungen wegen vorgeblicher Bagatelldeliktenzeigen in aller Deutlichkeit das Signal der Arbeitgeber: Demokratie hat in der Wirtschaft nicht zu suchen, wer aufmuckt – fliegt! Die LINKE sagt dagegen:
Wirtschaft darf kein Demokratie-freier Raum sein!
Wirtschaft muss demokratisch kontrolliert werden!
Monique Troedel, die Fraktionsvorsitzende und Organisatorin der Konferenz, versprach in ihrer Abschlussrede, dass weitere etwa zweistündige Abendveranstaltungen aus den Ergebnissen der vier Arbeitsgruppen folgen werden.
Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn – und Personalausgleich mit der Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil von Forderungen der Gewerkschaftsfrauen. Zeit, ein Faktor im Leben von Frauen, der immer zu kurz kommt, vor allem die Zeit für sich selbst. Müßiggang und Faulheit – ein Recht, dass Frauen sich endlich nehmen müssen!
Dieses Recht gestehen Frauen sich oftmals nicht zu, weil sie ganzheitlich denken, planen und handeln, immer im Bewusstsein der Verantwortung für andere.
Die Quotierung ist immer noch wichtig und sollte auch auf die Bereiche in der Erwerbsarbeit beziehen, die derweil noch hauptsächlich von Frauen ausgeführt werden. Halb im Spaß, halb im Ernst forderte Monique die Quotierung im Innenreinigungsgewerbe.
Sehr ernsthaft dagegen war die Frage: „Wird Arbeit nur respektiert, wenn sie bezahlt wird?“
Monique Troedel war sehr erfreut über die gesellschaftliche, gewerkschaftliche und politische Bandbreite, aus die Teilnehmerinnen kamen.
Sie bedankte sich bei allen Rednerinnen, Moderatorinnen, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie Teilnehmerinnen herzlich für ihre aktive, interessante und zukunftsorientierte Arbeit.
Auch Monique schloss mit einem Zitat:
„Wenn eine träumt, ist es ein Traum. Wenn viele träumen, wird es Wirklichkeit!“