Zurück zur Startseite

6. Armut und Alter

Altersarmut ist häufi g eine verdeckte Form von Armut. Bereits jetzt müssen immer mehr Senioren auf ergänzende Grundsicherung im Alter zurückgreifen. In einigen Jahren wird der Anteil derjenigen, die von ihrer Rente auskömmlich leben können, stark zurückgegangen sein. Wie kann Altersarmut auf Landes- sowie Bundesebene wirksam bekämpft werden?

Impulsreferat: Johannes Steffen, Arbeitnehmerkammer Bremen
Moderation: Norbert Schepers, Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen

 

Ergebnis des Workshops

Probleme:

- Sinkende Löhne, mehr Teilzeit, mehr Niedriglöhne und höhere Arbeitslosigkeit
führen dazu, dass immer mehr Menschen im Alter auf Leistungen nach SGB XII
Kap. 4 (Grundsicherung im Alter) angewiesen sein werden. Das betrifft vor allem
Frauen.
- Wer 1.200 Euro brutto verdient, muss 58 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung
einzahlen, um eine Rente von 627 Euro zu erhalten. Ab 2030 wären dafür
sogar 73 Jahre Einzahlung nötig.
- ALG-II-Empfänger erwerben während der Arbeitslosigkeit keine weiteren Rentenansprüche,
Menschen in Mini-Jobs so gut wie keine. Eine steigende Zahl prekärer
Selbstständiger („Soloselbstständige“) kann sich keine hinreichende private
Altersvorsorge leisten. Frauen, die längere Zeit keiner oder nur gering entlohnter
Erwerbstätigkeit nachgehen, bräuchten danach utopisch hohe Löhne, um im Alter
unabhängig zu sein.
- Viele Erwerbstätige ab 50 fi nden bei Arbeitslosigkeit keine neue Stellung mehr.
- In Zukunft werden in Bremen sehr viel mehr Menschen leben, die älter als 65
sind. Weder der Wohnungsbestand noch die städtische Infrastruktur, noch die
Dienstleistungsangebote sind darauf auch nur annähernd eingestellt.

Lösungen/Forderungen:

- Reform des Rentensystems, z. B.:
Mindestanwartschaften (Erwerbvon mindestens 0,5 Rentenpunkten
auch bei geringer Entlohnung),
höhere Zahlungen für ALG-II-Empfänger,
stärkere Anerkennung vonErziehungs- und Ausbildungszeiten,
solidarische Rentenversicherung füralle Einkommensarten,
- Reform des Arbeitssystems, z. B.: uneingeschränkte Sozialversicherungsleistungen
auch für Minijobs, gesetzliche Mindestlöhne, bessere Vereinbarkeit von
Erwerbstätigkeit und höherem Alter, mehr Beschäftigungsprogramme für über
50-Jährige.
- Reform des sozialen Sicherungssystems, z. B.: Mindestrente oder Bedingungsloses
Grundeinkommen.
- Kommunale Investitionen in einen generationengerechten Wohnungsbau bzw. Renovierung
der Altbauten, Förderung von gemeinsamem Wohnen im Alter.
- Dezentralisierung von Pfl egestationen, sozialen Angeboten, der Verwaltung, der
Kulturangebote. Senioren brauchen Angebote in räumlicher Nähe!