"Jahre später erfährt die Öffentlichkeit, dass bereits 2005 im Klinikum Bremen-Mitte (KBM) Frühgeborene gestorben sind, die sich mit Klebsiellen angesteckt hatten. Damit setzt sich die Salami-Taktik vom November letzten Jahres fort“, kritisiert Claudia Bernhard, Mitglied für DIE LINKE in der Gesundheitsdeputation und im Untersuchungsausschuss, die Informationspolitik des Klinikverbunds GeNo. „Im November hat die GeNo erst nach den Recherchen des Robert-Koch-Instituts zugegeben, dass es bereits im Frühjahr 2011 die ersten Infektionen gab. Auch jetzt wird wieder auf Druck der Presse informiert. Da fragt man sich doch: Gibt es weitere Infektionsvorkommen, die in den letzten Jahren verschwiegen wurden? Und: Was hat man den Eltern eigentlich 2005 über die Todesursache ihrer Kinder gesagt?“
Die letzte Stellungnahme der GeNo sei überdies von „gefährlichem Halbwissen“ geprägt. Bernhard: „Die GeNo hat offenbar immer noch nicht begriffen, dass der kritische Punkt der zeitliche Zusammenhang von Infektionen ist. Das Herunterspielen der Infektionswellen als ‚Häufung von Einzelfällen‘ und der Verweis auf ‚unterschiedliche Stämme‘ heißt im Klartext: Die GeNo würde zeitgemäße Maßnahmen wie in Stade nach wie vor nicht ergreifen, sie würde eine Infektionswelle wie 2005 auch heute nicht ans Gesundheitsamt melden. Das ist alles andere als vertrauensbildend. Die Behauptung, es wäre 2005 zu keiner gegenseitigen Ansteckung gekommen, bezweifle ich.“
Peter Erlanson, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, sieht den Senat gefordert. „Wie geht der Senat eigentlich damit um, dass der von ihm beauftragte Stauch-Bericht sehr enge Kriterien für Meldepflichten setzt, die GeNo sich darum aber überhaupt nicht schert? Will der Senat die Behauptung der GeNo, die Infektionsfälle von 2005 hätte man nicht melden müssen, unkommentiert im Raum stehen lassen?“
Erlanson abschließend: „Die politische Steuerung lässt sich von ihrer Geschäftsführung auf der Nase herumtanzen. Die GeNo muss jetzt von sich aus rückhaltlos offenlegen, wann es seit 2005 zu Nachweisen von Klebsiellen bei Frühgeborenen gekommen ist, ob Früh-geborene daran gestorben sind, und in welchen Fällen das Gesundheitsamt informiert wurde. Und die GeNo muss klarmachen: Ja, wir werden in kritischen Bereichen das Personal verstärken. Anders kommt auch das KBM nicht aus der Krise heraus.“