„Bei der Auswertung des Gutachtens des Robert-Koch-Instituts durch die Senatorin war offenbar der Wunsch die Mutter des Gedankens“, kritisiert Claudia Bernhard, Mitglied der LINKEN im Untersuchungsausschuss, die Diskussion auf der gestrigen Sitzung der Gesundheitsdeputation. „Die Behauptung, der Bericht würde Personalengpässe als Mitursache der Frühgeborenen-Todesfälle ausschließen, entbehrt jeder Grundlage. Der RKI-Bericht stellt lediglich fest, dass die Personalsituation an den Tagen, die den Infektionsfällen vorausgingen, auch nicht wesentlich schlechter war als an den anderen Tagen. Daraus die Behauptung zu konstruieren, am Personalabbau habe es nicht gelegen, ist schlicht unredlich.“
Der Bericht legt dar, dass die Pflegekräfte-Patienten-Relation an den jeweils sieben Tagen vor einem Infektionsfall durchschnittlich 4,63 betrug, an den anderen Tagen zwischen Juli und November 2011 durchschnittlich 4,44 – was ein ‚nicht signifikanter Unterschied‘ sei. Den beigefügten Grafiken lässt sich entnehmen, dass das Verhältnis bei einzelnen Schichten sogar über 6 von einer Pflegekraft zu betreuenden Patienten lag. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene hält ein Verhältnis von 3:1 für angemessen. Laut Auskunft von GeNo-Geschäftsführer Diethelm Hansen werde dies am Klinikum Bremen-Mitte im Jahresschnitt erreicht. Für den kritischen Zeitraum war dies aber offenbar nicht der Fall.
Peter Erlanson, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, erklärt: „Dass das Ressort den selbstgemachten Personalabbau mit allen Mitteln aus der Schusslinie nehmen will, werden wir nicht zulassen. Bereits 2005 hat die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaus-hygiene vor dem allgemeinen Abbau von Pflegekräften und Qualifikation gewarnt. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe hat im August letzten Jahres darauf hingewiesen, dass Mängel bei der Pflegeversorgung inzwischen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel seien, und dass viele befragte Pflegekräfte einräumten, dadurch Fehler und Mängel nicht mehr ausschließen zu können. Für die Senatorin ist das alles aber nicht ernst zu nehmen – weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“