Zurück zur Startseite
17. November 2011 Erlanson, Bernhard, PUA KK

Hygiene-Skandal am Klinikum Mitte: Austausch schnell greifbarer Personen kann ernsthafte Spurensuche nicht ersetzen

„Mit einem Bauernopfer ist es nicht getan“, kommentiert Peter Erlanson, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, die Entscheidung des Klinikholding-Geschäftsführers Diethelm Hansen zur fristlosen Kündigung des Chefarztes der Kinderklinik, Prof. Hans-Iko Huppertz. „Wir wollen eine lückenlose Aufklärung der Umstände, die zum Tod der Frühgeborenen durch die Infektionswelle geführt haben. Das schnelle Auswechseln greifbarer Personen kann eine ernsthafte Spurensuche nicht ersetzen“, so Erlanson.

Claudia Bernhard, Vertreterin der LINKEN im Untersuchungsausschuss, erklärt: „Das Vertrauen in die öffentlichen Kliniken kann sich erst dann wiedereinstellen, wenn die Ursachen des folgenschweren Kontrollverlusts im Klinikum Mitte gründlich aufgeklärt und beseitigt worden sind. Hier hat offenbar ein System versagt – eine Betriebsroutine, die sich durch Kostendruck, Personalabbau, den Primat betriebswirtschaftlichen Denkens immer mehr vom öffentlichen Gesundheitsauftrag entfernt hat. Diese Situation und ihre konkreten Auswirkungen auf Arbeitsabläufe und Hygienestandards müssen unter die Lupe genommen werden. Der Klinikverbund wäre gut beraten, sein eigenes Interesse an der umfassenden Aufklärung zu demonstrieren. Eine schnelle Wiedereröffnung der Neonatologie ohne eine öffentliche, allgemein nachvollziehbare Darlegung, was ab sofort anders läuft, wird nicht funktionieren.“ 

Peter Erlanson unterstreicht: „Entscheidend ist: Warum wurde das gehäufte Auftreten nosokomialer Keime nicht gemeldet, und warum wurde die Weitergabe der ersten Meldung so lange verzögert? Ich sehe nicht, dass die Person Huppertz als Erklärung dafür ausreicht.“

Die Position der LINKEN zum Untersuchungsausschuss-Antrag von CDU und Timke (BIW) wird heute nach der interfraktionellen Beratung bekannt gegeben. Als Mitglied des Untersuchungsausschusses nominiert die Linksfraktion ihre Gesundheitsdeputierte und arbeitsmarktpolitische Sprecherin Claudia Bernhard, als Stellvertreterin die Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt. Peter Erlanson ist als Betriebs- und Aufsichtsrat des Klinikums Links der Weser von der PUA-Teilnahme ausgeschlossen, wird aber in der morgigen Bürgerschaftssitzung zum Thema sprechen.