Nachdem die Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft gestern ein fast haushohes Transparent (8 mal 5 Meter) mit der Aufschrift „Ihnen frohe Weihnachten – und der Verkäuferin einen guten Lohn“ am Bremer Bahnhofsvorplatz aufgezogen hatte, machte sie heute in Bremerhaven (Theodor-Heuss-Platz) mit dem Transparent Station. Dazu verteilte sie Schokoladen-Nikoläuse und Info-Flyer.
Mit der Aktion im Umfeld des Weihnachtsgeschäfts in den Fußgängerzonen weist DIE LINKE auf die miserable Lohnentwicklung in Deutschland hin: Während die Reallöhne in den vergangenen zehn Jahren europaweit gestiegen sind (plus 20 Prozent in Norwegen und Finnland, noch knapp 3 Prozent in Österreich), wurden sie in Deutschland um durchschnittlich 4,5 Prozent gesenkt. Mittlerweile arbeiten hierzulande mehr als zwei Millionen Frauen und Männer für Stundenlöhne unter 6 Euro. Neben den Angestellten im Einzelhandel sind besonders Friseure, Bäckereien, Wäschereien, die Gastronomie und die Gebäudereinigung von Niedriglöhnen betroffen.
Kristina Vogt, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, erklärt: „Rund 1,4 Millionen Beschäftigte bundesweit, rund 18.000 davon im Land Bremen, müssen ihre Hungerlöhne mit Hartz- IV-Leistungen aufstocken. Jede/r vierte Leistungsbezieher/in im Land Bremen geht damit einer Erwerbsarbeit nach, von der man nicht leben kann. Da ein Flickenteppich der branchen- und länderspezifischen Mindestlöhne oder auch Regelungen des Bremer Vergabegesetzes umgangen werden können, fordern wir eine gesetzliche und flächendeckende Lösung der ‚Baustelle Mindestlohn‘. Die Einhaltung gesetzlicher Lohnvorgaben muss kontrolliert werden, zu oft passiert es, dass die Beschäftigten den gesetzlichen Lohn nicht erhalten. Was die Lohnentwicklung angeht, ist Deutschland Schlusslicht. Es wird Zeit, dass dieser Zustand grundlegend umgekrempelt wird.“
Peter Erlanson, sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion: „Gemäß offiziellen Tabellen bekommen VerkäuferInnen im Bremer und Bremerhavener Einzelhandel tariflich 7,50 Euro in der Stunde. ‚Normale‘ Lidl-Verkäuferinnen erhalten derzeit 1.250 Euro Bruttogehalt (also um die 7,60 die Stunde), arbeiten aber häufig deutlich mehr als 40 Stunden die Woche, ohne die Überstunden vergütet zu bekommen. Kolleginnen aus dem Bremerhavener Mediterraneo haben uns berichtet, dass sie teilweise unter 6 Euro die Stunde beziehen. So sehr sich sogar Parteien wie die CDU inzwischen mit einem Mindestlohn profilieren wollen, so sehr muss man festhalten, dass die Lohnsituation hierzulande ein schlechter Witz ist. Das wollten wir nicht unkommentiert im Raum stehen lassen – deshalb entschlossen wir uns noch kurz vor Weihnachten zu dieser Aktion.“