27. November 2018

Der Instandhaltungsbereich der Bahn braucht eine Zukunft in Bremen!

Die Zukunft des Instandhaltungswerks der Deutschen Bahn in Bremen-Sebaldsbrück ist seit längerer Zeit ungewiss. Nach Auskunft des Senats in der Fragestunde vom 24.08.2018 hat die Geschäftsleitung der DB Fahrzeuginstandhaltung zwar grundsätzlich eine „positive Perspektive“ für das Werk Bremen abgegeben. Dies scheint aber nicht die Erhaltung der Lokhalle einzuschließen. Weiterhin steht zu befürchten, dass die DB Fahrzeuginstandhaltung die Lokhalle aufgibt und es zum Abbau von über 100 Arbeitsplätzen kommt.

Obwohl die Deutsche Bahn zunehmende Probleme mit Zugausfällen und unzureichender Instandhaltung hat (u.a. ist auch eine große Zahl von Güterwägen nicht einsatzfähig, weil die Kapazitäten zur Reparatur nicht ausreichen), werden seit Langem Kapazitäten der Instandhaltung reduziert. Von den ursprünglich über 80 lokalen Instandhaltungswerken der Bahn existieren inzwischen nur noch 15. Die Region Nord ist besonders schwach mit Standorten für die betriebsnahe Instandhaltung ausgestattet. Eine Schließung der Lokhalle Bremen wäre für den reibungslosen Zugbetrieb riskant, denn es gäbe dann keine Ausweichmöglichkeit mehr, wenn das Werk Cottbus überlastet, nicht erreichbar oder anderweitig nicht einsatzfähig ist.

In Bremen werden bislang u.a. Dieselloks der Baureihe 218 betreut, die als zuverlässigstes Arbeitspferd der DB gilt. Trotz Elektrifizierung werden auch weiterhin Dieselloks zum Einsatz kommen, schon deshalb, weil bei Oberleitungsschäden keine E-Züge mehr fahren. In Bremen werden aktuell 14 Einheiten des Tunnelrettungszuges gefertigt. Das Knowhow der Bremer Belegschaft ist auch die Grundlage für ein gut organisiertes Drittkundengeschäft, das weiter ausgebaut werden könnte und zur Sicherung von Kompetenz und Beschäftigung am Standort Bremen positiv beitragen würde. Ein leistungsfähiges Kompetenzzentrum, das den gesamten Bereich von Instandhaltung, Lokomotiventechnik und Fahrzeugbau abdeckt, ist für das Land Bremen auch deshalb von wirtschaftspolitischer Bedeutung, weil die leistungsfähige Schienenanbindung der Seehäfen davon berührt ist.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Deutsche Bahn in den kommenden Jahren erhebliche zusätzliche Summen in Ausbau und Instandhaltung ihres Fahrzeugbestands investieren muss und wird. Mit der Schließung der Lokhalle würde diese zukünftige Ausweitung des Bedarfs und der damit verbundenen Beschäftigung an Bremen vorbeigehen. 

Die Innovationspartnerschaft zwischen der DB Fahrzeuginstandhaltung und dem Senat hat viele dieser Zusammenhänge identifiziert und mögliche Synergien mit Netzwerken und Projekten des Landes Bremen benannt. Umso unverständlicher wäre es, wenn die betriebliche Instandhaltung am Standort Bremen reduziert und die Lokhalle Sebaldsbrück ersatzlos aufgegeben würde.

Die Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:

  1. Die Bürgerschaft (Landtag) sieht im Erhalt des DB-Instandhaltungswerks Sebaldsbrück, einschließlich der mit der Lokhalle verbundenen Tätigkeiten, ein wichtiges wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisches Ziel für den Standort Bremen.
  2. Die Bürgerschaft (Landtag) begrüßt die Innovationspartnerschaft zwischen der DB Fahrzeuginstandhaltung und dem Senat und spricht sich dafür aus, dass diese auch das Lokgeschäft am Standort Bremen einbezieht.
  3. Die Bürgerschaft (Landtag) ersucht den Senat, sich dafür einzusetzen, dass es zu keinem Kapazitäts-, Funktions- und Arbeitsplatzabbau in der DB Instandhaltung am Standort Bremen kommt und auch das Lokgeschäft hier erhalten bleibt, z.B. in Form eines regionalen Instandhaltungszentrums für mobile und standortbezogene Schienenfahrzeugaufarbeitung.
  4. Die Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf, dafür sowohl die Option eines zukunftsfähigen Umbaus der Lokhalle in Sebaldsbrück, als auch die Option eines Neubaus der Lokhalle an anderer Stelle, ernsthaft zu prüfen und für eine der beiden Optionen initiativ zu werden.
  5. Die Bürgerschaft (Landtag) bittet den Senat, ihr bis zum Januar 2019 über die weitere Perspektive des Instandhaltungswerks Sebaldsbrück zu berichten.

Claudia Bernhard, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE