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15. November 2007 Fraktion, Soziales, Kinder und Jugend

Hauptamtliche Streetworker in Bremen - die Fragen der Fraktion und die Antworten des Senats

Wir fragen den Senat:

1. Wie viele hauptamtliche Streetworker sind derzeit in Bremen beschäftigt?

2. In welchen Stadtteilen, Aufgabenbereichen und Projekten sind diese beschäftigt? (Bitte einzeln auflisten.)

3. Für welche Personengruppen welchen Alters sind sie zuständig?

4. Verfügen sie über feste Anlaufpunkte und/oder haben sie eigene Büros? (Bitte einzeln auflisten.)

5. Mit welchen Mitteln werden sie finanziert?

6. Inwiefern plant der Senat die Fortführung bestehender Projekte, deren Ausbau und die Erweiterung der Aufgabenbereiche?

7. Inwiefern, in welchen Stadtteilen und mit welchen Aufgabenschwerpunkten plant der Senat die Neueinstellung von hauptamtlichen Streetworkern?

Inga Nitz, Monique Troedel und Fraktion DIE LINKE


Der Senat beantwortet die Kleine Anfrage wie folgt:

Antwort zu Frage 1:

In der Stadtgemeinde Bremen werden zur Zeit hauptamtliche Streetworkerinnen und Streetworker mit insgesamt 3,05 Beschäftigungsvolumen im Bereich der Drogenhilfe und mit 11,92 Beschäftigungsvolumen im Bereich der aufsuchenden Cliquenarbeit mit Jugendlichen eingesetzt.

Antworten zu den Fragen 2 bis 5:

Die Antworten zu den Fragen 2 bis 5 werden jeweils für die Einsatzgebiete und –orte bzw. Projektschwerpunkte zusammenhängend beantwortet:

a) Kontakt- und Beratungszentrum der Drogenhilfe:

Der Einsatz von 1,5 BV erfolgt in der offenen Drogenszene in sozialen Brennpunkten, insbesondere Hauptbahnhof und Piepe beim DRK-Krankenhaus. Erreicht werden erwachsene Drogen- und Alkoholabhängige sowie vermischte Szenen. Die Streetworker haben ihr Büro im Kontakt- und Beratungszentrum (Rembertiring 2). Klientinnen und Klienten der offenen Szene nehmen die Angebote des Kontakt- und Beratungszentrums wahr. Die Finanzierung erfolgt durch Zuwendungen.

b) Grünzug West:

Der Einsatz von 0,5 BV erfolgt direkt im Grünzug West, weitere 0,5 BV kommen im Sozialzentrum Jakobushaus zum Einsatz. Erreicht werden erwachsene Alkoholabhängige und obdachlose Personen, vermehrt auch Drogenabhängige. Das Büro befindet sich im Sozialzentrum Innere Mission (Friedrich-Rauers-Str.30). Außerdem steht ein Transporter als mobiles Büro für bis zu 8 Personen zur Verfügung. Die Finanzierung erfolgt durch Zuwendungen.

c) Drogenberatung Nord:

Wöchentlich stehen 2 Stunden für Streetwork-Einsätze zur Verfügung. Diese erfolgen in Vegesack auf dem Sedanplatz, auf dem Bahnhofsplatz Vegesack und in der Fußgängerzone. Erreicht werden erwachsene Alkohol- und Drogenabhängige, obdachlose Personen, darunter sind vereinzelt junge Erwachsene. Das Büro der Drogenberatung befindet sich in der Georg-Gleistein-Strasse 13. Klienten nehmen die Angebote des Cafés der Drogenberatung wahr. Die Finanzierung erfolgt durch Zuwendungen.

d) Streetworkprojekt Tenever:

Der Einsatz von 0,5 BV Sozialpädagoge erfolgt in Ortsteil Osterholz-Tenever. Erreicht werden alkohol- und drogenabhängige Erwachsene und junge Erwachsene. Das Büro befindet sich in Bürokooperation mit der St.Petri Kinder- und Jugendhilfe in der Kaiserslauterner Str. 9 sowie zeitweise im „Café Abseits“ (Otto-Brenner-Allee 44). Zur Finanzierung werden Mittel aus der Aktion Mensch (3.Förderjahr) sowie zuzüglich Spenden und Fördermittel aus Wohnen in Nachbarschaften eingesetzt.

e) Aufsuchende Jugendarbeit Bremen-Nord (Caritas Bremen-Nord):

In diesem Projekt werden 2 pädagogische Mitarbeiter mit jeweils 30 Wochenstunden eingesetzt. Entsprechend dem „Konzept für aufsuchende Jugendarbeit mit Cliquen“ wird im Wesentlichen mit sozial benachteiligten jungen Menschen im Alter zwischen 13 und 21 Jahren gearbeitet, die ihre Freizeit vorrangig in Cliquen, Szenen und Netzen verbringen, die aufgrund von individuellen Auswirkungen sozialer Problemlagen wie durch Schwierigkeiten in Schule, Ausbildung und Beruf, Armut, Isolation, hohes Konflikt- und Gewaltpotential, Sucht, Straffälligkeit gefährdet sind, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Lebenswelten mit erheblich verstärkten Desintegrationsrisiken in ihrer Entwicklung gefährdet sind sowie insbesondere mit jungen Menschen in sozial isolierten Lebenswelten wie etwa Migranten. Weiter werden Mädchen und Jungen in geschlechterhierarchisierenden und rollenfixierenden Lebenswelten angesprochen und Jugendliche, die von anderen Formen der Jugendarbeit/ Jugendsozialarbeit nicht erreicht werden, weil sie ausgegrenzt werden oder die sich selbst ausgrenzen bzw. deren spezifische Bedarfe nicht erfasst werden und deren Sozialräume aus diesen Gründen erheblich eingeschränkt sind und die allein erhebliche Schwierigkeiten bei der Artikulation und Durchsetzung ihrer Interessen haben. Das Projekt erreicht junge Menschen in Burglesum, Vegesack und Blumenthal. Das Büro befindet sich im Gebäude der Caritas Bremen-Nord (Gerhard-Rohlfs-Str. 17/18). Die Finanzierung erfolgt durch Zuwendungen der präventiven Erziehungshilfe und anteilig noch aus Fördermitteln Wohnen in Nachbarschaften.

f) Punk-Projekt (Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (VAJA)):

In diesem Projekt ist eine Streetworkerin mit 28,88 Wochenstunden eingesetzt. Sie erreicht Jugendliche insbesondere aus der Punker-Szene mit Problemlagen, wie sie für die aufsuchende Jugendarbeit unter Punkt e) beschrieben werden. Da sich Punks oft an Orten aufhalten, die als gefährdend bezeichnet werden (Obdachlosenszene, Junkieszene), wurde das Projekt mit dem Ziel initiiert, ein Abrutschen der Jugendlichen in diese Szenen zu vermeiden. Das Projekt ist über das Büro von VAJA (Eduard-Grunow-Str. 24) zu erreichen. Die Finanzierung erfolgt aus Zuwendungsmitteln der präventiven Erziehungshilfe.

g) Grenzgänger-Projekt (VAJA):

Hier sind eine Streetworkerin und ein Streetworker mit je 35 Wochenstunden eingesetzt. Das Projekt erreicht Jugendliche in Huchting mit Problemlagen, wie sie für die aufsuchende Jugendarbeit unter Punkt e) beschrieben werden. Hauptsächliche Zielgruppe des Projektes sind Jugendliche türkischer und kurdischer Herkunft, aber auch Jugendliche mit anderem Migrationshintergrund. Verbindendes Merkmal dieser Jugendlichen ist, dass sie geringen Zugang zu bestehenden institutionellen Angeboten haben. Das Projekt ist im Ortsamt Huchting sowie über das Büro von VAJA (Eduard-Grunow-Str. 24) zu erreichen. Die Finanzierung erfolgt aus Zuwendungsmitteln der präventiven Erziehungshilfe.

h) Regionalteam Ost (VAJA):

Im Regionalteam sind 2 Mitarbeiterinnen mit jeweils 10 Wochenstunden, eine Mitarbeiterin mit 19,25 Stunden und 2 Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter mit je 28,88 Stunden als Streetworkerinnen und Streetworker eingesetzt. Das Projekt erreicht Jugendliche in den Stadtteilen Hemelingen, Osterholz, Neue Vahr, Schwachhausen, Horn-Lehe, Borgfeld und Oberneuland mit Problemlagen, wie sie für die aufsuchende Jugendarbeit unter Punkt e) beschrieben werden. Das Projekt ist über das Büro von VAJA (Eduard-Grunow-Str. 24) zu erreichen. Die Finanzierung erfolgt aus Zuwendungsmitteln der präventiven Erziehungshilfe sowie projektbezogen aus Zuwendungsmitteln der Sozialen Gruppenarbeit.

i) Arbeit mit rechten Jugendcliquen (VAJA):

Im Streetworkerteam der aufsuchenden Cliquenarbeit mit Jugendlichen in rechten Szenen sind je ein Mitarbeiter mit 35 und mit 28,88 Wochenstunden sowie zwei Mitarbeiterinnen mit jeweils 19,25 Wochenstunden eingesetzt. Das Projekt erreicht Jugendliche aus rechten Jugendcliquen mit Problemlagen, wie sie für die aufsuchende Jugendarbeit unter Punkt e) beschrieben werden. Dabei ist der Einsatz der Streetworkerinnen und Streetworker im gesamten Stadtgebiet möglich. Das Projekt ist über das Büro von VAJA (Eduard-Grunow-Str. 24) zu erreichen. Die Finanzierung erfolgt aus Zuwendungsmitteln der präventiven Erziehungshilfe.

j) Fan-Projekt (Fan-Projekt Bremen e.V.):

Im Fan-Projekt wird aufsuchende Jugendarbeit durch zwei Mitarbeiter mit je 30 Wochenstunden, eine Mitarbeiterin mit 10 Wochenstunden und einen Mitarbeiter mit 20 Wochenstunden geleistet. Die Fachkräfte des Fan-Projektes erreichen Jugendliche in Fußballfan-Szenen, die einen Beratungs- und Unterstützungsbedarf haben, wie er für die aufsuchende Jugendarbeit unter Punkt e) beschrieben wird. Das Projekt begleitet jugendliche Fans auch bei Auswärtsspielen der Erst- und Drittliga-Mannschaften des SV Werder und stellt auf diese Weise einen präventiven Jugendschutz sicher. Das Projekt verfügt über eigene Büroräume im Weserstadion und wird zu zwei Dritteln aus Zuwendungsmitteln der präventiven Erziehungshilfe finanziert. Ein Drittel der Gesamtkosten dieses Projektes wird durch den SV Werder getragen.

Antwort zu Frage 6:

Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales plant die Fortführung und Absicherung der bestehenden Projekte. Das Projekt „Aufsuchende Jugendarbeit Bremen Nord“ soll in 2008 zu einem Regionalteam Nord gemäß dem „Konzept für aufsuchende Jugendarbeit mit Cliquen“ ausgebaut und abgesichert werden.

Antwort zu Frage 7:

Die Einstellung von hauptamtlichen Streetworkerinnen und Streetworkerinnen wird von den geförderten freien Trägern der Drogenhilfe und der Jugendhilfe im Rahmen ihrer von der Stadtgemeinde erhaltenen Zuwendungen vorgenommen. Nähere Angaben zu den ab 2008 zur Verfügung stehenden Zuwendungsmitteln sind vor Verabschiedung der Haushaltsgesetze noch nicht möglich.