18. Juli 2017

Wasser für alle: Auch Bremen braucht öffentliche Trinkbrunnen

Trinkbrunnen sind inzwischen ein fester Bestandteil öffentlicher Plätze in vielen Städten. Die speziell konstruierten Brunnen haben gegenüber großen Brunnen, die mit Trinkwasser gespeist werden, hygienische Vorteile und sind aufgrund ihres geringen Raumbedarfs und der verhältnismäßig geringen Kosten vielseitiger und in größerer Zahl für den öffentlichen Raum nutzbar. Trinkbrunnen sind ein Stück Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger, von großer Bedeutung für Obdachlose, ein attraktiver und freundlicher Service für Touristinnen und Touristen.

Jedenfalls in anderen Städten. In Bremen beschloss die Bürgerschaft am 22. September 2015 einen Antrag „Öffentliche Trinkbrunnen in der Stadt Bremen“. Außer einem Bericht in der Baudeputation im Januar 2017 hatte dieser Beschluss jedoch keine Folgen. Dem Bericht zufolge verfügt Bremen über keinen einzigen städtisch betriebenen Trinkbrunnen. Die einzigen zwei öffentlichen Trinkbrunnen in Bremen sind der von der Vinzenzkonferenz und der Propsteigemeinde St. Johann betriebene Trinkbrunnen im Schnoor und der Trinkbrunnen vor der Sakristei der Kirche Unser Lieben Frauen.

Zwar werden 5 städtische Brunnen mit Trinkwasser gespeist. Aufgrund hygienischer Bedenken werden sie jedoch nicht als Trinkbrunnen ausgewiesen. Damit ist zwar die Stadt auf der sicheren Seite, die Menschen haben jedoch das Nachsehen, da sie im Zweifelsfall nicht zwischen diesen Brunnen und den nicht trinkwassergespeisten Brunnen entscheiden können. Die privatisierte swb/wesernetz lehnt die Finanzierung von Trinkbrunnen kategorisch ab. Darin unterscheidet sie sich nicht von den beteiligten Ressorts, die ebenfalls die Idee befürworten, aber keinesfalls Geld für den Betrieb bereitstellen wollen.

Dabei sind die Kosten gering im Verhältnis zum großen Nutzen. Die jährlichen Betriebskosten liegen laut Senat bei 2.000 bis 6.000 Euro pro Brunnen, die Aufstellungskosten werden auf 11.000 bis 15.000 Euro pro Brunnen geschätzt. Nach zwei Jahren Folgenlosigkeit des erwähnten Bürgerschaftsantrags ist es daher Zeit, das Anliegen einzulösen.

„Durstig in Berlin? Das muss nicht sein. Mittlerweile haben wir an vielen öffentlichen Plätzen Berlins Trinkbrunnen aufgestellt und laden Sie von Mai bis Oktober ein, gut gekühltes Berliner Wasser zu genießen … Unsere Trinkbrunnen sind praktisch, schön, gesund und demokratisch.“ Das möchten wir in Bremen auch sagen können.

Die Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) möge beschließen:

Die Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) fordert den Senat auf,   

  1. Die Beiräte bis Jahresende um Vorschläge für die Aufstellung von mindestens einem öffentlichen Trinkbrunnen pro Beiratsgebiet zu bitten;
  2. selbst eine Liste mit Aufstellungsorten an touristisch frequentierten, besonders häufig von Fußgängern und Radfahrern aufgesuchten oder für Obdachlose besonders wichtigen Stellen im Altstadtbereich vorzulegen;
  3. der Bürgerschaft einen Plan für die Errichtung von neuen Trinkbrunnen 2018 und 2019 vorzulegen, sowie einen Vorschlag für die Aufteilung der Kosten zwischen den Ressorts;
  4. an den bereits vorhandenen fünf trinkwassergespeisten öffentlichen Brunnen gut sichtbar den Hinweis anzubringen, dass es sich um Trinkwasser handelt, allerdings keine Garantie gegen äußere Verschmutzung besteht.

Claudia Bernhard, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE