12. Juni 2017

Wahlfreiheit bei Geburtshilfe gefährdet? – Mittwoch: Aktuelle Stunde auf LINKEN-Initiative zum Aus der Beleghebammen in Bremen

Die Situation der Hebammen spitzt sich seit Jahren zu. Immer mehr freiberufliche Hebammen mussten ihren Beruf aufgeben, da er aufgrund extrem gestiegener Haftpflichtbeiträge wirtschaftlich nicht mehr leistbar ist. Auch der Notbehelf des Sicherstellungszuschlags der Krankenkassen ändert wenig an dieser Lage. Im Juli werden in Bremen die letzten verbliebenen Beleghebammen ihre Tätigkeit beenden. Diese freiberuflichen Hebammen haben bisher neben der Vor- und Nachsorge die Geburt in der Klinik begleitet. So konnten werdende Mütter bereits vor der Geburt ein Vertrauensverhältnis zur Hebamme aufbauen, die dann auch bei der Geburt anwesend ist. Ohne Beleghebammen ist dies nun nicht mehr möglich, und auch die Bremer Kliniken haben Schwierigkeiten, vakante Hebammenstellen zu besetzen. Zudem steht seit Jahren die Realisierung des geplanten hebammengeleiteten Kreißsaales aus.

Sofia Leonidakis, stellvertretendes Mitglied im Gleichstellungsausschuss für die Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, erklärt dazu: „Frauen haben ein Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes und der Geburtsform. Denn eine wichtige Voraussetzung für eine reibungslose Geburt ist, dass die Frau sich währenddessen so sicher wie möglich fühlt. Dafür muss sie die Geburtsform wählen können, die sie bevorzugt, sei es zuhause, im Geburtshaus oder in der Klinik. Diese Wahlfreiheit wird inzwischen faktisch immer weiter eingeschränkt."

„Gerade vor dem Hintergrund einer steigenden Rate an Kaiserschnittgeburten und sonstigen medizinischen Eingriffen, ist die 1:1-Begleitung durch eine vertraute ‚Bezugshebamme' (in Bremen geläufiger Terminus für ‚Beleghebamme') in der Klinik, im Geburtshaus oder zuhause elementar wichtig. Die Bemühungen des Bremer Bündnisses für eine natürliche Geburt würden ad absurdum geführt, wenn diese Betreuung nicht mehr gewährleistet werden kann", so Leonidakis weiter.

„Auf Bundesebene braucht es dringend eine tragfähige Lösung für die Versicherungsproblematik. DIE LINKE fordert daher die Einrichtung eines bundesweiten Haftungsfonds für alle Heilberufe. Es reicht aber nicht, wie der Senat allein auf den Bund zu verweisen. Auch Bremen muss Maßnahmen ergreifen, um das Versorgungsangebot von Hebammen zu erhalten und auszuweiten", fordert Leonidakis. „Es müssen Anreize für die Ausbildung und Niederlassung von Hebammen in Bremen geschaffen werden. Dafür braucht es ein Konzept für die Nachwuchssicherung und bessere Arbeitsbedingungen. Die Geburtshilfe ist keine Nebensächlichkeit, sondern ganz wesentlich für Frauen und Familien. Sie muss ausgebaut statt abgebaut werden, in ihrer Vielfalt, aber auch in ihrer Ausstattung. Es besteht Handlungsbedarf JETZT, daher haben wir für die Landtagssitzung am kommenden Mittwoch eine Aktuelle Stunde zu diesem Thema beantragt. Titel: ‚Hebammen vor dem Aus? Wahlfreiheit bei der Geburt für werdende Mütter erhalten!'"