6. Juli 2017

„Umkrempeln kein Wert an sich“ – Fraktion DIE LINKE zu den Plänen der Innenstadt-Entwicklung

Zur aktuellen Debatte um den Bremer Innenstadt-Umbau erklärt Claudia Bernhard, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft: „Wenn eine Rhetorik von ‚letzter Chance‘, ‚große Lösung‘ und ‚Totalumbau‘ bemüht wird, ist das häufig ein Zeichen dafür, dass die Vernunft über Bord geht. Innenstadtentwicklung hat viel mit Umsicht und Entwickeln zu tun, wie der Name schon sagt – mit Abrissbirne und Monopolbildung aus unserer Sicht eher nicht.“

Viele Städte haben schlechte Erfahrungen gemacht mit fantasielosen Fußgängerzonen, schlechten Parkmöglichkeiten und Verödung durch überteuerte Einzelhandelsmieten. Vielfach verschwinden die kleineren, inhabergeführten Qualitätsgeschäfte: Die Discounterisierung der Innenstädte ist zum Problem geworden, in Bremen erkennbar an der Obernstraße.

Claudia Bernhard: „Die Grundfrage ist: Was kann, was soll eine moderne Innenstadt heute eigentlich bieten? Eine Innenstadt kann mit den Centern auf der grünen Wiese in vielen Teilen nicht konkurrieren (z.B. günstigere Preise, Parkplatzflächen). Was man stattdessen bieten kann, sind Charakter und Vielfalt, die Mischung von Aufenthaltsqualität, Einkaufen, Cafés, Wohnen, Projekten und öffentlichem Raum – auch attraktive Architektur, die für Bremen steht, gehört dazu. Von derartigen Kriterien ist in der aktuellen Innenstadt-Debatte aber kaum noch die Rede. Manche träumen von der Verwandlung der Innenstadt in eine Super-Mall. Das wird in Bremen nicht funktionieren.“

„Umkrempeln ist kein Wert an sich. Natürlich will Zech abreißen und umbauen, er ist ja ein Bauunternehmer. Aber was wir für die Innenstadtentwicklung brauchen, sind Augenmaß und vor allem auch bezahlbare Einzelhandelsmieten. Genau die werden so nicht entstehen. Denn am Ende sind es die Läden, die einen Monsterumbau mit ihren Mieten bezahlen würden“, so Bernhard abschließend.