Anfang der Woche haben Beamte der Gefahrgutüberwachung auf der A1 in Bremen einen mit radioaktiven Stoffen beladenen Sattelzug angehalten, der an tragenden Teilen stark verrostet war. Der marode Container enthielt Uranhexaflourid, das zur Herstellung von Kernbrennstoff benötigt wird und bei Kontakt mit Wasser hochgiftige Flusssäure produziert. Der Gefahrguttransporter, der von Hamburg nach Gronau fahren sollte, wurde aus dem Verkehr gezogen; die 15 Tonnen schwere Fracht zum ortsansässigen Firmensitz begleitet, wo das radioaktive Material in einen intakten Container umgeladen wurde.
Peter Erlanson, Fraktionsvorsitzender der LINKEN in der Bremischen Bürgerschaft, erklärt: „Dass es überhaupt zu diesem gruseligen Wald-und-Wiesen-Transport von radioaktiven Stoffen kommen konnte, ist ein Skandal. Von der heute beantragten Aktuellen Stunde versprechen wir uns, dass Bürgerschaft und Senat zu diesem Thema zeitnah Stellung beziehen und Politik und Öffentlichkeit angesichts der enormen Risiken von Atomtransporten hellhöriger werden. Es kann nicht angehen, dass die zuständigen Behörden regelmäßig versichern, dass alles in bester Ordnung sei und dann solche Gefahrguttransporte durch die Lande tuckern.“
Für Klaus-Rainer Rupp, umwelt- und verkehrspolitischer Sprecher, wirft der Vorfall eine Reihe von Fragen auf, die über die kommende Bürgerschaftsdebatte hinaus unverzüglich zu klären sind: „Die Debatte um Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken muss weiter Richtung Atomausstieg geführt werden. Aber wie gehen wir damit um, dass Deutschland längst Logistik-standort einer Industrie ist, die ihren Profitwillen mit Macht und Geld umsetzt? Die Verantwortlichen müssen endlich nach der Maßgabe handeln, dass unzulässige Atomtransporte keine Ordnungswidrigkeit sind, sondern Menschenleben und Umwelt gefährden.“
Laut Heidemarie Behrens, Umweltdeputierte der Linksfraktion, bergen Atomtransporte allein durch ihre Existenz eine unabschätzbare Gefahr: „Wenn dieser Schrott-Container in einen Unfall geraten wäre, hätten wir jetzt mit einem Umweltdesaster größeren Ausmaßes zu tun. Obwohl die Sicherheitsauflagen da sind, gibt es offenbar Wege, an ihnen vorbeizukommen, sei es in krimineller Absicht oder aus z.B. ‚menschlichem Versagen‘. Diese Risiken lassen sich am wirksamsten über den längst fälligen Atomausstieg eindämmen. Bis dahin müssen Atomtransporte lückenlos kontrolliert und gesichert werden.“
Die von der LINKEN eingereichte Aktuelle Stunde trägt den Titel „Maroder Gefahrguttransporter mit radioaktiver Ladung auf der A1 gestoppt – Wie steht es um die Sicherheit von Atomtransporten im Land Bremen?“ und wird voraussichtlich am kommenden Mittwochmittag in der Bürgerschaftssitzung (Landtag) debattiert.