12. Mai 2017

Platz ist in der kleinsten Hütte? – LINKE kritisiert Senatspläne zur Kita-Gruppenvergrößerung

Jetzt also doch. Die Kitagruppen in Bremen und Bremerhaven sollen vergrößert werden. Das sieht eine entsprechende Beschlussvorlage des zuständigen Bildungsressorts vor, die am kommenden Dienstag dem Senat zur Abstimmung vorgelegt werden soll. 

Die Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE kritisiert dieses Vorhaben scharf. Sofia Leonidakis, kinderpolitische Sprecherin, kommentiert: „Senatorin Claudia Bogedan sieht in der Aufstockung der Elementargruppen offenbar den letzten Rettungsanker, um einer breiten Klagewelle von Eltern und daraus resultierenden Schadensersatzforderungen zu Beginn des nächsten Kita-Jahres noch zu entgehen. Das Manöver kommt nicht überraschend, denn dem Ressort läuft schlicht die Zeit davon, um das immense selbstgemachte Loch bei den Kitaplätzen zu schließen. Die Versäumnisse der letzten Jahre beim Ausbau fallen diesem Senat, der sich ironischerweise vor zwei Tagen noch selbst zu seiner Halbzeitbilanz gratuliert hat, auf die Füße. Die Zeche dafür zahlen wieder die Beschäftigten, Kinder und Eltern. Zu erwarten sind fehlende Plätze, Unterbringung in Containern, mangelnde Sprachförderung, Personal an der Belastungsgrenze und ein daraus resultierender hoher Krankenstand, zugebaute Freigelände und massiv erhöhte Beiträge für Teile der Elternschaft. Mit der jetzt angekündigten Gruppenvergrößerung ist die Grenze der Zumutbarkeit erreicht.“

Bereits jetzt belegt Bremen laut einer Bertelsmann-Studie aus dem März 2017 einen Spitzenplatz bei der Anzahl von Einrichtungen, die aufgrund der knappen Personaldecke und steigender Herausforderungen in der Betreuung keine Zeit für die Entwicklung pädagogischer Konzepte oder Gespräche mit den Eltern haben.

„Besonders im Bundesland Bremen mit der höchsten Quote an Kinderarmut fällt der Qualität der frühkindlichen Betreuung eine entscheidende Rolle zu, wenn wir diese Entwicklung endlich durchbrechen wollen“, so Leonidakis weiter. „Die nun angekündigten fünf Prozent zusätzliche Personalmittel reichen hinten und vorne nicht. Zudem wurden die Sozialindikatoren, nach denen jetzt entschieden werden soll, welche 56 von 400 Kitas mehr Geld bekommen, seit 2011 nicht angepasst. Das alles ist von vorne bis hinten Murks. Die Senatspläne richten langfristigen Schaden für die Kindertagesbetreuung in Bremen und Bremerhaven an. Die händeringend gesuchten Fachkräfte werden so jedenfalls nicht angelockt, stattdessen wird konsequent am Ruf des familienunfreundlichen Bremens gearbeitet. Statt weiterer Qualitätsverschlechterung muss dringend die Verbesserung angepackt werden. Statt weiterer Arbeitsverdichtung brauchen die Fachkräfte endlich die Bedingungen, sich angemessen um jedes einzelne Kind kümmern zu können.“

Die Bürgerschaftsabgeordnete abschließend: „Beschäftigte und Eltern sind jetzt gefragt, sich gegen die Pläne des Bildungsressorts zur Wehr zu setzen. Sie werden uns dabei an ihrer Seite finden. Diese Qualitätsverschlechterung per Gesetz muss verhindert werden!“

In Verbindung stehende Artikel: