8. März 2017

Erzieher*innen gesucht – Bedarf an pädagogischen Fachkräften

Dem Land Bremen mit seinen beiden Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven steht bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Kinderbetreuungsplatz in den kommenden Jahren weiterhin eine enorme Kraftanstrengung bevor.

Steigende Geburtenzahlen, Zuzug von geflüchteten Familien mit kleinen Kindern, eine positiv zu vermerkende steigende Inanspruchnahme des Rechtsanspruchs einerseits und ein seit mehreren Jahren verschleppter Kita-Ausbau andererseits haben zu einer Situation geführt, in der aktuell in Bremen mehr als 750 und in Bremerhaven 460 Kinder auf die Zusage für einen Kita-Platz warten. Mehr als 1000 Kinder stehen zusätzlich in Bremen auf den Wartelisten einzelner Einrichtungen.

Eine aktualisierte Ausbauplanung des Senats aus dem Herbst 2016 sieht jetzt für den Bereich der Kindertagesstätten bis zum Jahr 2020 die notwendige Schaffung von 55 zusätzlichen Einrichtungen und 4.100 Kita-Plätzen vor.

Allein bis zum Beginn des Kindergartenjahres 2017/2018 beziffert das zuständige Ressort den entstehenden Platzbedarf auf 145 Gruppen in der Stadtgemeinde Bremen, die aufgrund der Kurzfristigkeit nicht durch Neu- und Erweiterungsbauten realisiert werden können. Zur kurzfristigen Schaffung von 79 Interimsstandorten werden aktuell Container aufgestellt, ursprünglich war von 90 Standorten die Rede. Wie die übrigen Gruppen realisiert werden sollen, steht hingegen noch nicht fest. Bereits durch die bis zum 1. August 2017 zu schaffenden neuen Gruppen entsteht ein Personalmehrbedarf von rund 200 Fachkräften.

Wo Betreuungsplätze und Einrichtungen in dieser Größenordnung fehlen, muss auch nach dem erforderlichen Personal gefragt werden bzw. wie die benötigten Personalkapazitäten erreicht und entwickelt werden können.

Träger und Gewerkschaften weisen in Bremen bereits seit Jahren auf zu niedrige Ausbildungszahlen für den Fachkräftenachwuchs hin, trotz angehobener Kapazitäten an den Fach- und Berufsfachschulen.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1.    Wie viele pädagogische Fachkräfte (bitte Aufteilung nach Qualifizierung) arbeiten derzeit in den Einrichtungen der Kindertagesbetreuung im Land Bremen (bitte aufschlüsseln nach Trägern, FHB und Stadtgemeinden)?

2.    Wie hoch war 2016 der Personalmehrbedarf zur Kompensation von Renteneintritten, Elternzeiten, Langzeiterkrankungen oder sonstigen Abgängen?

3.    Sind bei den vom Senat prognostizierten 750 benötigten Fachkräften für die Stadtgemeinde Bremen im Rahmen der neuen Ausbauplanung 2020 sämtliche Faktoren wie Renteneintritte, Krankheits- oder Elternzeitvertretungen, Vertretungsbedarf durch Fortbildungen und Urlaube berücksichtigt?

4.    Auf welche Höhe prognostiziert der Senat mithin den Bedarf insgesamt an zusätzlichen Fachkräften bis zum Jahr 2020, der aus dem Ausbau, Renteneintritten, Elternzeit- oder Krankheitsvertretungen sowie Wegzügen resultiert?

5.    Wie sieht die derzeitige Altersstruktur des in den Kindertagesstätten tätigen pädagogischen Personals aus (bitte aufschlüsseln nach Qualifizierung)?

6.    Wie viele Nachwuchsfachkräfte befinden sich derzeit im Land Bremen in der Ausbildung für erzieherische Berufe (bitte Aufteilung nach Ausbildungsgang, Ausbildungsort und Jahrgangsstufen) und wie viele werden diese bis 2020 voraussichtlich abschließen?

7.    Durch welche Maßnahmen plant der Senat bis 2020 den Fachkräftebedarf in der Kindertagesbetreuung zu decken? Gibt es konkret Überlegungen zur Einführung einer praxisintegrierten Berufsausbildung?

8.    Plant der Senat den vermehrten Einsatz von Sozialassistent*innen? Wenn ja, in welchem Umfang in den Betreuungsformen 0-3 und 3-6 Jahre (wobei für letzteres eine Änderung der rechtlichen Grundlagen erforderlich wäre)?

9.    Sofern vermehrt Sozialassistent*innen eingesetzt werden sollen: In welchem Umfang gibt es (verbindliche und/oder berufsbegleitende) Weiterqualifizierungs-angebote zur/zum Erzieher*in?

10. Wie hoch ist der Anteil befristeter Beschäftigungsverhältnisse in der Kindertagesbetreuung (bitte aufschlüsseln nach Qualifizierung und nach Trägern, FHB und Stadtgemeinden)?

11. Wie lässt sich das Potenzial zur Erhöhung der Arbeitszeit bei den derzeitigen Teilzeitfachkräften im Land Bremen verbessern und wie kann der Senat die Träger dabei unterstützen für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Erzieher*innen zu ermöglichen?

12. Wie hat sich die Zahl der Indexeinrichtungen seit 2010 entwickelt (bitte aufschlüsseln nach Jahren)?

13. Wie wird sich nach Einschätzung des Senats die Zahl der Indexeinrichtungen durch den jetzigen Ausbau entwickeln angesichts der Schaffung von neuen Gruppen vornehmlich in benachteiligten Stadtteilen und zunehmender der Kinderarmut?

14. Wie viele indexbezogene Personalstunden wurden in den Jahren 2012 und 2016 für Index-Einrichtungen geplant und eingesetzt?

15. Wie viele indexbezogene Personalstunden werden im Rahmen der angepassten Ausbauplanung bis 2020 eingeplant?

16. Falls dem Senat hierzu keine Planzahlen vorliegen, wie gedenkt er die ausreichende Versorgung von Index-Einrichtungen konzeptionell zu lösen?

17. Wie hoch schätzt der Senat den Personalmehrbedarf zur Umsetzung der alltagsintegrierten und kleingruppenorientierten Sprachförderung bis zum Jahr 2020 ein?

18. Können die Sprachförderbedarfe personell abgedeckt werden? Wenn nein, was gedenkt der Senat für deren Abdeckung zu unternehmen?

Sofia Leonidakis, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE.