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3. September 2010 Stadtentwicklung, Beiräte & BürgerInnenbeteiligung

Die „Sommertour“ führte in den Süden – Inga Nitz und Peter Erlanson zu Gast im Huchtinger Ortsamt

Huchting, 35.000 EinwohnerInnen, fast eine eigenständige Kleinstadt. Viel Grün aber auch viele Hochhäuser, so präsentiert sich der Ortsteil im Süden Bremens.

Auch nach den Parlamentsferien setzen Inga Nitz, arbeitsmarkpoltische Sprecherin, und Peter Erlanson, Vorsitzender der Linksfraktion, ihre „Sommertour“ durch die Bremer Stadtteile fort. Im Ortsamt Huchting trafen die beiden engagierten PolitikerInnen mit dem dortigen Leiter, Uwe Martin, zu einem ausführlichen Gespräch über Probleme und Chancen des Stadtteils zusammen.

Begleitet wurden sie von Lucie Horn, die für DIE LINKE im Huchtinger Beirat sitzt.

Ausführlich erzählte der eloquente Ortsamtsleiter, der seit 1992 vor Ort arbeitet,  von „seinem“ Stadtteil, der in Bremen nicht den besten Ruf genießt. Das Ortsamt hält allerdings dagegen: Eine Vielzahl von sozialen Infrastrukturmaßnahmen für Kinder und Jugendliche sowie für ältere Menschen und generationsübergreifende Angebote durchziehen das Viertel. Viel Geld steht naturgemäß in einer notorisch klammen Gemeinde wie Bremen für Projekte dieser Art nicht zur Verfügung. WIN-Mittel ergänzen oder ersetzen hier das finanzielle Engagement der Kommune und sind in der Stadtteilpolitik inzwischen unverzichtbar. Auch personell ist es hier so eng wie anderswo: So bräuchte zum Beispiel der „Jugendbeirat“ viel mehr Unterstützung. Die Jugendlichen, die hier die ersten kommunalpolitischen Schritte üben, fühlen sich in ihrem Engagement sonst schnell im Stich gelassen, bedauerte Uwe Martin. 

Etliche Initiativen hat Martin in den vergangenen Jahren angeschoben. Jüngstes Projekt ist das Quartiersbildungszentrum Robinsbalje. Hier soll im kommenden Herbst ein neuer Treffpunkt für die BürgerInnen entstehen. Die Robinsbalje sei zwar kein „sozialer Brennpunkt“, so Uwe Martin, aber Probleme gebe es hier mehr als genug. Ein hoher MigrantInnenanteil, vornehmlich libanesische Familien,  bestimme in dem Wohnquartier das Bild. Bisher gab es hier nur den Schulhof und einen Spielplatz. Nicht gerade ein verlockendes Angebot für die Jugendlichen. Und da die Wohnungen dort nicht der GEWOBA, sondern hauptsächlich diversen Immobilienfonds  gehören,  gestaltete sich die Planung zunächst als schwierig. Denn anders als bei dem städtischen Wohnungsbauunternehmen zeigten sich die Verwalter der Immobilien nicht besonders an Veränderungen oder an Angeboten für die Bewohnerinnen und Bewohner interessiert. Doch nur so sei praktische Integrationsarbeit überhaupt möglich, konstatierte Uwe Martin.

Inga Nitz, Lucie Horn und Peter Erlanson hörten gespannt zu.  Seit vier Jahren wird das Quartiersbildungszentrum Robinsbalje geplant, nun steht es kurz vor der Vollendung. Uwe Martin freute sich, dass neben dem Ortsamt von Beginn an viele Gruppen in dieses Vorhaben eingebunden waren, vom Haus der Familie bis zum Amt für Soziale Dienste zogen hier alle an einem Strang. 

Uwe Martin zeigte sich als ebenso energischer wie optimistischer Verfechter jeglicher Stadtteilarbeit: „Politik muss von der Zentralität in die Dezentralität wechseln, nur so kann man die Stadtteile stärken.“ Denn das praktische Know how, da war sich der Ortsamtleiter sicher, gibt es nur vor Ort: „Hier sind die Wege kurz und die Menschen kennen sich.“ Inga Nitz und Peter Erlanson stimmten ihm da rückhaltlos zu, beide verfechten seit langem in der Bremischen Bürgerschaft die Stärkung der Kompetenzen der Stadtteile. Übrigens nicht immer zur Freude der anderen Fraktionen. Peter Erlanson: „Die Entscheidungsgewalt sollte möglichst oft in den Quartieren sein, auch in finanzieller Hinsicht!“  

Eines der Lieblingsprojekte Martins ist der Mönchshof. Statt die Seniorinnen und Senioren mit dem „Essen auf Rädern“ zu Hause zu beliefern, besteht hier die Möglichkeit für ältere Menschen, mittags gemeinsam zu essen. „So kommen die Leute aus dem Haus und es ergeben sich viele soziale Kontakte,“ freute sich Uwe Martin. Ein Angebot, dass so gut angenommen wird, dass inzwischen ein zweiter Standort in der Planung ist.

„Wohnen in Nachbarschaften - Die WIN-Projekte müssen unbedingt weitergeführt werden“,  wünschte sich Uwe Martin zum Schluss des Gesprächs und stieß auch hier bei seinen Gästen von der LINKEN auf offene Ohren. Die finanzielle Absicherung der vielen Projekte in den Stadtteilen muss angesichts der immer größer werdenden sozialen Probleme unbedingt  gewährleistet werden. Inga Nitz und Peter Erlanson versprachen, sich im Bremer Parlament weiterhin dafür einzusetzen. Und spätestens zur Eröffnung des Quartiersbildungszentrums wollen die Drei von der LINKEN wieder im Stadtteil sein.

Dr. Dieter Fricke (Text und Foto)