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4. Februar 2012 PUA KK

Das Gerät fiept nicht

Anhörung des zweiten Experten vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH) in Freiburg im Untersuchungsausschuss Krankenhauskeime.

Etwas weniger diplomatisch als sein Kollege drückte sich Patrick Weissgerber aus, der gegen 18 Uhr zur Spätschicht der Ausschuss-Anhörung antrat. So wurden zu später Stunde auch Themen wie Patriarchat und Hierarchie im Krankenhaus angesprochen.

Männlich, Akademiker, Arzt = Risikogruppe

„Männlich, Akademiker, Arzt“, das sei die Hochrisikogruppe, wenn es um Hygieneverhalten gehe, so Weissgerber. Über Studien sei belegt, dass die Pflegekräfte erheblich besser in der Hygiene seien als die Ärzte. Hier besteht auch das zusätzliche Problem, dass Kritik an Ärzten im Hierarchiesystem Krankenhaus weniger vorgesehen ist, als Kritik an Pflegekräften. Dazu trage auch bei, dass es sich bei den Ärzten um einen überwiegend männlichen Berufsstand handelt, bei den Pflegekräften dagegen um einen überwiegend weiblichen Berufsstand.

Man müsse durchaus davon ausgehen, dass kein Chefarzt gerne Infektionen melde. Ob die Personalunion von Chefarzt und Hygienebeauftragte Arzt gut oder schlecht sei, komme drauf an: Wenn der Chefarzt sich stark mit dem Bereich des Hygienemanagements identifiziert, sei die Personalunion günstig, wenn das nicht der Fall ist, sei die Wirkung ungünstig.

Wann sind 30 Sekunden um?


Eine praktische Frage konnte zu später Stunde dann auch noch geklärt werden. Wie das Personal denn bei der Hände-Desinfektion wisse, wann 30 Sekunden um sind, wollte Claudia Bernhard (LINKE) wissen. Ob das Gerät nach 30 Sekunden fiepe? Eine Uhr dürfen die Beschäftigten aus Hygienegründen ja nicht tragen.

Nein, ein Zeitsignal gibt es nicht, so Weissgerber. Man hätte schon versucht, die Zeit über das Aufsagen von Kinderliedern abzuschätzen, aber das hätte sich nicht bewährt. Im Großen und Ganzen werde die 30-Sekunden-Regel nach Gefühl eingehalten.

Dr. Christoph Spehr