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14. Oktober 2011 Bildung & Wissenschaft

Die gymnasiale Oberstufe taucht ab

DAS SEEHUND-PRINZIP

Das Kurssystem in der gymnasialen Oberstufe (GyO) – eine schöne Idee.

Fächer abwählen, die einem nicht so liegen; Kurse anwählen, wo die eigenen Stärken liegen – ist gut fürs Abi, ist gut fürs Studium.

Aber der Senat will zurück zum Klassenverband und zum Breitband-Pauken.
Grund ist wieder einmal: Es soll gekürzt werden.

Was der Senat vorhat
Der Senat will in der Gymnasialen Oberstufe LehrerInnen-Stellen kürzen – nach seiner
Berechnung 22 Stellen, im Endeffekt vermutlich 27. Dazu wird die Stundenzuweisung für
die Qualifikationsphase um 7 Prozent gekürzt und dann noch einmal um 2,5 Prozent. In
der Einführungsphase der Oberstufe (also in Klasse 10 bzw. 11) soll es keine Kurse mehr geben, sondern die Rückkehr zum Klassenverband. Aber auch in der
Qualifikationsphase (den letzten beiden Jahrgängen vor dem Abitur) wird es weniger
Wahlmöglichkeiten geben, weil die Stundenkürzungen größere Kurse erzwingen.

Das ist der Einstieg in die komplette Rückkehr zur Oberstufe alter Schule mit
Klassenverband und Breitband-Lernen. Vor allem heißt es: Zu Beginn der
Qualifikationsphase gibt es wieder neue LehrerInnen in allen Fächern. Das bisherige
Prinzip, ab Beginn der Einführungsphase bereits auf das Abitur vorzubereiten, in den
Kursen und mit den LehrerInnen, die man bis zum Abitur hat, entfällt. Ob die Oberstufe
die Kurse und Profile überhaupt anbieten kann, mit denen sie wirbt, stellt sich erst ein
Jahr, nachdem man in die Oberstufe gekommen ist, heraus. Wer eine Schule wegen
ihres Profils anwählt, kauft die Katze im Sack.

Mal nachrechnen, was das heißt!
Für eine Oberstufe mit 100 SchülerInnen bedeutet das: In der Qualifikationsphase gab
es bisher 157,6 Lehrerwochenstunden.

In Zukunft werden 7 Prozent abgezogen, bleiben 146,6 Stunden.
Dann werden nochmal 2,5 Prozent abgezogen fürs „Selbstlernen“, bleiben 142,8
Stunden.

Das sind 14,8 Stunden weniger – etwas mehr als eine halbe LehrerInnen-Stelle. Bei
5.349 SchülerInnen in der Qualifikationsphase der GyO (2010/2011) macht das 792
Stunden weniger.

75 Stunden gibt es zusätzlich als „Pool“ für den Notfall, bleiben 717 Stunden weniger,
das entspricht 27 LehrerInnen-Stellen weniger. So viel wird dann ab 2012 in der GyO
gekürzt.

„Die Einführungsphase hat die Aufgabe, auf die Qualifikationsphase der Gymnasialen Oberstufe vorzubereiten (…) Diese Arbeit erfolgt in Klassen.“
„Der Entwurf (…)sieht insbesondere vor, dass alle drei Naturwissenschaften in der Einführungsphase verbindlich sind.“
„Nach den vorliegenden Prognosen ist im Durchschnitt von einer Differenz von knapp 7% zwischen der Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Einführungsphase und der der Qualifikationsphase auszugehen. Dies ergibt einen voraussichtlichen Minderbedarf von ca. 22 Lehrerstellen. Die Basis für den schülerbezogenen Zuweisungsfaktor wird aufgrund der Ausweitung der Selbstlernzeit von 39 Wochenstunden auf 38 reduziert (…)
Der Zuweisungsfaktor ändert sich dadurch von 1,576 auf 1,536 (Lehrerwochenstunden pro Schülerin/Schüler).“

Aus: Deputations-Vorlage L 10-G06 für den 13. Oktober 2011

Das Seehund-Prinzip
Alles nicht so schlimm, sagt der Senat. Wenn es ganz eng wird, kann eine Schule ja paar Stunden aus dem Notfall-Pool bekommen. Das ist das Seehund-Prinzip. Erst werden allen Seehunden die Fische weggenommen, und bei der Fütterung kommt der Wärter mit einem Eimer, in dem ein paar wenige Fische drin sind – und die Seehunde machen schön Männchen.

Keine Kürzungen in der GyO!
Jede Stundenkürzung ist eine zu viel. Es gibt an
Bremens Schulen kein Sparpotenzial.
Kein Zurück zur alten Oberstufe!
Erhalt des Kurssystems von Anfang an!
Schluss mit dem Kaputtkürzen der Bildung!


Das Video zum Artikel können Sie HIER downloaden.


DIE LINKE hat einen Flyer zu den Kürzungen in der gymnasialen Oberstufe (GyO) veröffentlicht, den Sie HIER downloaden können.