Die „Sommertour“ – eine neugierige und breit gefächerte Informationsreise durch die Stadtteile - führte die beiden Abgeordneten Inga Nitz und Peter Erlanson nun nach Blumenthal.
Dort trafen sich die engagierten ParlamentarierInnen der Bremer Linksfraktion mit Betriebsräten des Klinikums Bremen-Nord zu einem ausführlichen Gespräch.
Die Bremer Krankenhauslandschaft ist schon seit einigen Jahren im Umbruch. Mit der Gründung der „Gesundheit Nord“ (GeNo), wurde für die vier kommunalen Bremer Kliniken ein gemeinsames Dach geschaffen.
Das erklärte Ziel dieses Konstrukts ist die Schaffung eines Konzerns, doch noch sind die vier Häuser selbständig und weitgehend unabhängig.
Wilfried Sulimma und Olaf Bullert berichteten der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin und dem Fraktionsvorsitzenden der Bremer Linsfraktion vieles aus dem Klinikalltag des Blumenthaler Hauses. Es schmerzt die beiden Betriebsräte, dass durch Umstrukturierungen Abteilungen ausgedünnt oder gleich komplett abgezogen worden sind. Etliche Räume der weitläufigen Klinikbauten werden derzeit gar nicht genutzt.
Man hatte zwar Schlimmeres befürchtet, doch insgesamt – so stellen die Betriebsräte fest – wird inzwischen vieles durch die GeNo reglementiert und reguliert. Die gesamte Verwaltung sei zentralisiert und insgesamt schwerfälliger geworden: „Was früher durch ein kurzes Gespräch innerhalb von 15 Minuten geklärt werden konnte, dauert nun manchmal zwei Wochen.“ Arbeitserleichterung sieht anders aus. Betroffen sind in erster Linie die „patientenfernen Bereiche“, die Kranken auf den Stationen merken davon kaum etwas. Und die vielfältigen Umstrukturierungen bergen auch so manche versteckte Risiken: Neu gestaltete Arbeitsverträge, Umgruppierungen, Herabstufungen. Für ArbeitsrechtlerInnen gibt es in den kommunalen Bremer Kliniken reichlich zu tun. Und die erfahrenen BetriebsräteInnen stehen dem Personal hier natürlich mit Rat und Tat zur Seite.
Und „Mortalitätsstatistiken“ stehen demnächst vielleicht ins Haus: Dabei sollen Vergleichszahlen zu Todesfällen veröffentlicht werden, um so vermeintlich kompetente Aussagen zur Qualität einzelner Häuser machen zu können. „Grotesk!“ Die Einschätzung des Betriebsrates ist eindeutig.
Dass manches an der Zentralisierung auch Vorteile birgt, bestreiten die beiden langjährigen Arbeitnehmervertreter nicht. „Durch den Personalbinnenmarkt ergeben sic auch Chancen zur Lösung individueller Probleme oder Wünsche, zum Beispiel im Bereich der Facharztausbildung.“ Und hatte man in Blumenthal zunächst befürchten müssen, zur reinen Portalklinik degradiert zu werden, ist jetzt immerhin die Basisversorgung gesichert. „Doch die Zukunft bleibt ungewiss,“ konstatierte Olaf Bullert.
„Der Umgang miteinander ist fair, wertschätzend, fordernd und fördernd.“ So anspruchsvoll schätzt sich die GeNo, der Bremer Klinikverbund, selbst ein. Das klingt gut. Aber das kann nur funktionieren, wenn die Informationspolitik dieses Gesundheitskonzerns mit seinem Chef Diethelm Hansen endlich offener und ehrlicher wird. Die Präsentation des „Medizinischen Zukunftskonzepts“ im vergangenen Jahr ließ durchaus Übles befürchten, zumal die Details nur „häppchenweise“ dem interessierten Publikum präsentiert wurden. Erregte Debatten – nicht nur im Krankenhausausschuss – waren damals die unmittelbare Folge. Zurzeit ist wieder etwas Ruhe in den betroffenen Kliniken eingekehrt. Aber an offenen Fragen und Wünschen herrscht kein Mangel. In Bremen-Nord würde man gern die leer stehenden Räume wieder nutzen und dort beispielsweise ein Aus- und Fortbildungszentrum für alle Bremer Kliniken einrichten. „Steuerung und Koordinierung – so ein Fortbildungszentrum hier im Klinikum Nord, das wäre mein Traum.“ Vielleicht muss das für Wilfried Sulimma ja kein Traum bleiben. Die beiden Abgeordneten fanden den Besuch in Blumenthal spannend. So spannend, dass sie sich demnächst auch im Klinikum Links der Weser einmal umsehen wollen. Dr. Dieter Fricke (Text und Foto)