Freiberufliche Hebammen stehen in Bremen
vor dem Aus.
Diese Berufsgruppe ist in eine sehr bedroh-
liche Situation gerutscht, da eine entlastende
Erhöhung der Gebühren als Ausgleich der
kürzlich massiv gestiegenen Haftpflicht
prämien ausgeblieben ist.
Die Geburtshelferinnen verdienen nach einem
Beschluss vom 5. Juli 2010 zwar mehr Geld,
muss aber seit diesem Monat stolze 1.300 Euro
im Jahr zusätzlich für die Haftpflichtversiche-
rung aufbringen.
Eine freiberufliche Hebamme, die einen gesetzlichen Handlungsauftrag hat und ihre Abrufbe- reitschaft für die werdende Mutter sicherstellen will, kann maximal drei bis vier „Aufträge“ pro Monat entgegennehmen. So erhält sie beispielsweise für eine Geburt im Geburtshaus rund 390 Euro. Allein die monatlichen Haftpflichtkosten betragen jedoch für freiberufliche Hebammen, aufgrund der Erhöhung, rund 300 Euro. Da bleibt am Monatsende nicht viel übrig, wenn dann auch Steuern, Sozialversicherung und Weiteres bezahlt werden müssen.
Um dies abzuwenden, versammelten sich zur Mittagszeit mehr als 100 AktivistInnen auf dem Markplatz, um mit einer Mahnwache auf diese Problematik hinzuweisen. Die Geburtshelferin Valerie Stabel ist sich sicher, dass bei diesen Konditionen keine der Beleghebammen weitermachen wird. Die Vorsitzende des Bremer Hebammenlandesverbandes hofft nun auf Hilfe aus der Landespolitik, da in der ersten Hälfte dieses Jahres bereits bundesweit zehn Prozent der Hebammen ihren Job an den Nagel gehängt haben.
Ob es am Wetter lag, oder viele Parlamentarier bereits im Urlaub sind: Obwohl die Arbeitnehmerinnenvertretung rechtzeitig alle Bürgerschaftsfraktionen von der Mahnwache in Kenntnis gesetzt hat, hörte sich lediglich Inga Nitz von der LINKEN vor Ort die Sorgen und Nöte der Geburtshelferinnen an.
Es sei respekt- und sinnlos, gerade Pflegeberufe einem kapitalistischen Kosten- bzw. Leistungsdruck zu unterziehen, meint die Linkspolitikerin: „Eine Hebamme, die Geburten begleitet und dabei Ruhe und Verlässlichkeit sicherstellen soll, kann nicht von einem Termin zum nächsten hetzen. Es kann auch nicht angehen, dass steigende Versicherungskosten auf die Löhne der Hebammen drücken.
Für DIE LINKE ist ein Umdenken dringend erforderlich, denn Hebammen müssen bei der täglichen Berufsausübung sowie in allen versicherungstechnischen Fragen unterstützt und anerkannt werden. Ansonsten ist dieser Berufsstand und die damit verbundene Versorgung und Pflege vom Aussterben bedroht.