17. Januar 2019

LINKE: Halber Prüfauftrag zum Medizinstudium macht keinen Sinn

Gestern (Mittwoch, 16. Januar 2019) haben der Wissenschaftsausschuss und die Gesundheitsdeputation eine Anhörung zum Antrag der CDU und einem Änderungsantrag der Linksfraktion zur Prüfung einer Medizinfakultät in Bremen durchgeführt. Eine Senatsvorlage sah eine ergebnisoffene Prüfung zusammen mit den beteiligten Stellen vor. Kurz vor Ende der Sitzung beantragten die Grünen mit Unterstützung der SPD, die Beschlussvorlage wesentlich einzuschränken und nur noch auf den klinischen Teil in den Lehrkrankenhäusern (Studiensemester 5 bis 10) zu beziehen. Die Studiensemester 1 bis 4, der vorklinische Teil der Ausbildung, müsste dann an einer anderen Universität durchgeführt werden.

Miriam Strunge, wissenschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, kritisiert dieses Verfahren: „Von einer ergebnisoffenen Prüfung kann jetzt keine Rede mehr sein. Ein halber Prüfauftrag ist quatsch. Ob und wie Bremen sich am notwendigen Kapazitätsausbau für die Medizinausbildung beteiligt, oder weiterhin das einzige Bundesland ohne entsprechende Strukturen bleibt, kann man mit guten Gründen kontrovers diskutieren. Was die rot-grüne Koalition gestern aber vorgeführt hat, setzt dieser Diskussion ein Ende, bevor man überhaupt die Fakten analysiert hat. Das wird der gesellschaftlichen Bedeutung und der bevorstehenden Unterversorgung in bestimmten medizinischen Fachrichtungen und Regionen nicht gerecht.“

Während insbesondere die Grünen schon die Prüfung eines Vollstudiums vehement ablehnen, befürworten sie sehr stark die Idee von Teilstudienplätzen, die laut ‚Masterplan Medizinstudium 2020‘ des Bundesforschungsministeriums gerade nicht mehr eingerichtet werden sollen. Strunge hinterfragt diesen Ansatz: „Welche Universität entscheidet über die Zulassungsvoraussetzungen, wenn die Medizinausbildung in den ersten vier Semestern nicht in Bremen stattfinden soll? Wird weiterhin am 1,0 Notenschnitt festgehalten, statt auf fachliche und bedarfsorientierte Kriterien zu setzen? Wie will man darauf hinwirken, dass die Studierenden nicht nur in Bremen bleiben, sondern auch dahin gehen, wo sie fachlich und örtlich gebraucht werden, wenn andere Universitäten den Lehrplan gestalten? Wer stellt die Zeugnisse aus? Wie viel Geld muss Bremen den auswärtigen Universitäten zur Verfügung stellen, statt damit eigene Strukturen aufzubauen?“