27. Januar 2019

Frauenförderung in der Kultur

Im Sommer 2017 hat der Deutsche Kulturrat unter dem Titel „Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge“ eine umfangreiche Studie zur Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich vorgestellt. Zu den zentralen Ergebnissen der Studie gehört, dass bis auf wenige Ausnahmen von Geschlechtergerechtigkeit im Kultursektor nicht die Rede sein kann. Besonders schwierig gestaltet sich der Arbeitsmarkt für die freiberuflich tätigen Künstlerinnen, deren „Gender Pay Gap“ erschreckende 24 Prozent beträgt. Im Anschluss tagte auf Bundesebene bei der Kulturstaatsrätin ein Runder Tisch zum Thema, der erste Handlungsempfehlungen vorgelegt hat.

Aus den Aktivitäten auf Bundesebene ergeben sich auch Fragen für die lokale Kulturszene und -förderung. Sind Frauen gleichberechtigt am Kulturleben beteiligt? Verdienen sie so viel wie die Männer oder ergeben sich besonders dramatische Schlechterstellungen bei Arbeitsbedingungen und Bezahlung? Bedarf es aufgrund dessen eine besondere Förderung von Frauen im Kultursektor? Eine Parlamentsanfrage wird diese Fragen nicht im selben Umfang wie eine wissenschaftliche Studie klären können, aber zumindest den Auftakt zu einer Zusammenstellung von Daten bilden. Daher erhebt der folgende Fragenkatalog keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern will vielmehr exemplarisch ein Problembewusstsein für dieses Thema schaffen.

Wir fragen den Senat:

I. Allgemein:
1. Wie bewertet der Senat die Studie des Deutschen Kulturrates "Frauen in Kultur und Medien" sowie die Ergebnisse des Runden Tisches "Frauen in Kultur und Medien"? Welche Handlungsaufgaben ergeben sich daraus für Bremen?
2. Wie setzt sich der Senat dafür ein, dass Frauen in der bremischen Kulturlandschaft gleichberechtigt vertreten sind?
3. Welche Instrumente gibt es zur frauenspezifischen Förderung im Kulturbereich?
4. Gibt es Mentoring-Programme für Frauen im Kulturbetrieb? Wenn ja, welche? Wenn nein, sind solche geplant?
5. Gibt es spezifische Stipendien für Frauen im Kulturbetrieb? Wenn ja, welche, in welchen Sparten und in welcher Höhe?
6. Werden Zusagen institutioneller Förderung an etablierte nicht-kommunale Kulturinstitutionen (z.B. Kunsthalle, shakespeare company, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen) an Bedingungen der Frauenförderung geknüpft (z.B. Stellenbesetzung bei gleicher Eignung bevorzugt an Frauen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern, etc.)?
II. Vergabe von Projektmitteln in der freien, institutionsungebundenen Szene
7. Verfolgt der Senat das Ziel, öffentliche Gelder in der institutionsungebundenen Kulturförderung geschlechterparitätisch zu vergeben?
8. Welche bremischen Jurys zur Vergabe von Projektmitteln gibt es und wie sind die Geschlechter anteilig in diesen vertreten?
9. Wie viele Projektantragstellerinnen und Projektantragsteller beim Projektmitteltopf gab es 2007, 2012 und 2017 sowie beim Solidarpakt 2017 in den jeweiligen Sparten? Bitte aufschlüsseln nach Geschlecht.
10.Wie viele Projekte wurden 2007, 2012 und 2017 gefördert, wie viele davon waren von Antragstellerinnen und wie viele von Antragstellern?
11.In welcher Höhe waren die 2007, 2012 und 2017 an Antragsteller vergebenen Projektmittel insgesamt? In welcher Höhe waren die 2007, 2012 und 2017 an Antragstellerinnen vergebenen Projektmittel insgesamt?
III. Vergabe von Preisen
12.Welche bremischen Preise im Kulturbereich gibt es?
13.Welche frauenspezifischen Preise im Kulturbereich gibt es in Bremen und wie hoch sind sie dotiert?
14. Wie sind die jeweiligen Jurys zur Preisvergabe bei den bremischen Preisen im Kulturbereich zusammengesetzt? Bitte aufschlüsseln nach Geschlecht.
IV. Theater Bremen
15.Wie ist der Frauenanteil am künstlerischen Personal am Theater Bremen? Bitte nach Berufen aufschlüsseln sowie nach freiberuflicher und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.
16.Inwieweit unterstützt der Senat das Theater Bremen, um familienfreundliche Bedingungen für die Angestellten zu gewährleisten?
17.Gibt es am Theater Bremen Schutz vor Nichtverlängerung des Arbeitsvertrags
während der Elternzeit? Wenn nein, gab es in den vergangenen 10 Jahren Nichtverlängerungen während Angestellte in Elternzeit waren?
18.Gibt es am Theater Bremen den Anspruch auf familienfreundliche Arbeitszeiten, gibt es beispielsweise den probenfreien Sonntag?
19.Gibt es im Hinblick auf Familienfreundlichkeit und Planbarkeit längerfristige Verträge für künstlerische Berufe am Theater Bremen?
20.Wie viele hauseigen inszenierte Premieren gab es am Theater Bremen in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18? Bitte nach Geschlecht der Regie aufschlüsseln.
21.Wie viele Wiederaufnahmen von hauseigenen Inszenierungen gab es in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18? Bitte nach Geschlecht der Regie aufschlüsseln.
22.Wie viele der inszenierten Stücke in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18 waren von Autorinnen?
23.Wie viele Gastspiele unter weiblicher und unter männlicher Leitung gab es in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18?
24.Wie viele der weiblich geleiteten Inszenierungen (Gastspiele und hauseigene) waren in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18 im Kleinen Haus, wie viele im Großen Haus?
V. Bremer Philharmoniker
25.Wie hoch ist der Frauenanteil bei den Musiker*innen der Bremer Philharmoniker?
26.Wie viele Musiker und wie viele Musikerinnen arbeiten bei den Bremer Philharmonikern in Teilzeit? Bitte auch nach Geschlechtern getrennt den durchschnittlichen Umfang dieser Stellen in Prozent einer Vollzeitstelle angeben.
27.Inwieweit unterstützt der Senat die Bremer Philharmoniker, um familienfreundliche Bedingungen für die Angestellten zu gewährleisten?
28.Gibt es bei den Bremer Philharmonikern den Anspruch nach familienfreundlichen Arbeitszeiten, gibt es beispielsweise den probenfreien Sonntag?
29.Wie viele Solistinnen und wie viele Solisten wurden zu den Philharmonischen Konzerten in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 sowie 2017/18 eingeladen?
30.Wie viele Gastdirigentinnen und wie viele Gastdirigenten wurden zu den Philharmonischen Konzerten in den Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18 eingeladen?
31.Wie viele der gespielten Stücke in den Philharmonischen Konzerten der Spielzeiten 2007/08, 2012/13 und 2017/18 waren von Komponistinnen?
VI. Film
32.Wie hoch waren die bewilligten Förderungen und Preise des Filmbüros in den Jahren 2007, 2012 und 2017, die vergeben wurden? Bitte aufschlüsseln nach Dokumentarfilm Förderpreis, Projektstipendium Filmstart, Microförderung und Videokunst Förderpreis.
33.Wie hoch war der Anteil der weiblich geleiteten Projekte, denen Förderungen und Preise des Filmbüros in 2007, 2012 und 2017 bewilligt wurden? Bitte aufschlüsseln nach Dokumentarfilm Förderpreis, Projektstipendium Filmstart, Microförderung und Videokunst Förderpreis.
34.Plant der Senat eine Wiedereinsetzung der Kulturellen Filmförderung nach dem Vorbild der Förderung der Jahre 1991 bis 2017? Wenn ja, wann und in welcher Höhe?
35.Plant der Senat eine Förderung, die sich speziell an weibliche Filmschaffende richtet? Wenn ja, welche?
36.Wie viele Projekte haben einen Antrag an die Kulturelle Filmförderung 2007, 2012, 2017 gestellt und wie viele und in welcher Höhe wurden diese bewilligt? Bitte nach männlicher und weiblicher Leitung aufschlüsseln.
VII. Literatur
37.Wie viele Frauen und wie viele Männer haben den Bremer Literaturpreis sowie den Nachwuchsförderpreis seit dem Jahr 2000 erhalten?
38.Wie hoch war der Frauenanteil in der Jury in den Jahren 2007, 2012 und 2017?
VIII. Bildende Kunst
39.Wie viele Katalogförderungen gab es in den Jahren 2007, 2012 und 2017 für Frauen und wie viele für Männer?
40.Wie viele Künstlerinnen und wie viele Künstler haben aktuell ein Atelier im Künstlerhaus Bremen? Lässt sich eine Veränderung in den Geschlechterverhältnissen in den letzten 10 Jahren feststellen?
41.Wie hoch war der Frauenanteil in Leitungspositionen in Institutionen der Bildenden Kunst in 2007, 2012, 2017? Bitte nach den einzelnen Intuitionen aufschlüsseln.
42.Wie viele Frauen und wie viele Männer haben in den letzten 10 Jahren den Bremer Förderpreis für Bildende Kunst erhalten?
43.Wie hoch ist der Anteil der Künstlerinnen, die in den Jahren 2007, 2012 und 2017 durch das Programm "Kunst im öffentlichen Raum" gefördert wurden?
44.Wie viele Künstlerinnen haben bisher den Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum erhalten und wie viele Künstler?“

Miriam Strung, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE

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