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29. Juli 2010 Fraktion

Arbeitsmarktstatistik Juli 2010: Zeit- und Leiharbeit darf nicht der Stellenpool der Zukunft werden

Gegenüber dem Vormonat ist die Erwerbslosigkeit im Agenturbezirk Bremen (Stadt Bremen/Osterholz) um 2 Prozent (643 Personen) gestiegen, die Arbeitslosenquote beträgt damit im Juli 2010 10,3 Prozent (33.600 Personen). Dass die Agentur für Arbeit diesen Anstieg mit den ‚saisonüblichen Arbeitslosmeldungen von jungen Menschen unter 25 Jahre nach Abschluss von Schule und Ausbildung‘ erklärt, ist für Inga Nitz, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, „keine Erklärung.“ „Im Gegenteil: Die arbeitsmarktpolitische Aufgabe, gerade jungen Berufsanfängern eine angemessene Perspektive zu bieten, bleibt nach wie vor ungelöst.“

Dass im Wesentlichen von Erwerbslosigkeit und prekärer Arbeit betroffen ist, wer mit geringen Qualifikationen auf Jobsuche geht, „diesen Mythos“ habe zuletzt die aktuelle Niedriglohn-Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen entkräftet, so Nitz weiter. Zwischen 1995 und 2008 ist der Anteil der Niedriglöhner mit abgeschlossener Berufsausbildung von 63,4 auf 71,9 Prozent gestiegen. 

„Das heißt, dass sich in erster Linie der Arbeitsmarkt ändern muss, und nicht, wie es immer heißt, die von Arbeitslosigkeit Betroffenen. Die einzige Branche, die seit vielen Monaten wächst und gedeiht, ist die Zeit- bzw. Leiharbeit, also ein ‚Berufsbild‘, das nicht von der Qualifikation des Arbeitnehmers ausgeht, sondern von seiner schnellen, kostengünstigen Verfügbarkeit für den Arbeitgeber“, so Nitz. Die Signalwirkung dieser Arbeitsmarktentwicklung sei „fatal“: „Früher hatten junge Menschen unterschiedlichste Berufswünsche. Demnächst wird es vielleicht heißen: ‚Alles außer Zeitarbeit‘. Auf solchen Befürchtungen lässt sich Zukunft aber nicht aufbauen. Hier muss die Politik endlich etwas bewegen. Zeit- und Leiharbeitsverhältnisse müssen limitiert, unbefristete reguläre Arbeitsstellen gefördert und ein gesetzlicher Mindestlohn verankert werden.“ 

Als „positives Signal“ verbucht Inga Nitz, dass die Bundesagentur für Arbeit das statistische Raster für gemeldete Arbeitsstellen umstellt: Als offene Arbeitsstellen werden nur noch Beschäftigungen des ersten Arbeitsmarktes erfasst. Dabei wird nach sozialversicherungspflichtigen, geringfügigen und ‚sonstigen‘ Arbeitsstellen (z.B. Praktika) unterschieden. Nitz: „Immerhin kommen wir so der arbeitsmarktpolitischen Wahrheit etwas näher.“