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18. August 2010 Justiz & Inneres

The big google is watching you

Foto: pixelio.de - Thomas Max Müller

Das Ziel des Unternehmens Google besteht darin,
die „auf der Welt vorhandenen Informationen zu
organisieren und allgemein zugänglich und nutz-
bar“ zu machen. Sagt Google.

Darum kann man bei Google Börsenkurse, Straßen-
pläne und Schlagzeilen ansehen, Telefonnummern
herausfinden, Milliarden von Bildern durchsuchen
und im weltweit größten Archiv von Usenet-Nach-
richten stöbern.

Als Bonbon kann die NutzerIn zudem über verschie-
dene Möglichkeiten auf all diese Informationen zu-
zugreifen, ohne extra die Google-Startseite besuchen
zu müssen.

Und wenn er/sie mal gerade keinen Zugriff auf seinen/ihren PC hat, kann er/sie Google über eine Reihe von mobilen Plattformen nutzen, einschließlich WAP- und i-mode-Telefonen.

So weit so nützlich, könnte man meinen. Tatsächlich kennt die Sammelwut von Google kaum noch Grenzen. Erfolgte in der Vergangenheit die Informationsfindung und -vernetzung durch die Internetgemeinde selber, wird Google nun im zunehmenden Masse selber aktiv.

Mit dem Projekt „Google Earth“ wurde das zum ersten Mal weltweit wahrnehmbar. Google Earth zeigt nun Satellitenbilder, Karten, Geländeinformationen und 3D-Gebäude von der gesamten Welt sowie Ansichten von fernen Galaxien und Unterwassercanyons. Klingt eigentlich ganz nett. Tatsächlich kann man nun den Balkon der Schmitts aus Leipzig sehen und wie sie ihre Gartenmöbel aufstellen. 

Das neuste Projekt von Google - Google Street View - geht nun noch einen Schritt weiter. Mit Kameras und entsprechender weiterer technischer Ausstattung wurden ganze Städte, unter anderem  auch Bremen, digitalisiert und werden nun bald ins Internet gestellt.

Bald werden also Mr. Smith aus Ohio und Ms. Ngoma aus Südafrika in der Lage sein, mal schnell bei der Bremer Familie Meyer in den Vorgarten zu gucken. Mit viel Glück, und vor allem wenn Familie Meyer keinen Einspruch gegen die Veröffentlichung erhoben hat, kann man auch noch Frau Meyer beim Unkrautzupfen sehen.

Tatsächlich kann man sogar verstehen, dass Menschen das toll finden, ihr Haus und ihre Straße im Internet zu sehen. Sie können anderen Menschen sagen: Schau ins Internet. So sieht das bei mir aus. Da wohne ich!

Aber ist das der tatsächlich Grund für ein Projekt wie „Google Street View“?

Der Nutzen von Street View erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Bereits mit Google Earth, also dem Blick von oben, konnten Zweige der Wirtschaft, die sich unter anderem mit Bedachungen, Gartenpflege und ähnlichem befassen, gezielt KundInnen-Ansprachen durchführen. Eine offensichtlich beschädigte Bedachung, mit Google Earth identifiziert, könnte beispielsweise gleich einen Werbebrief eines Dachdeckers  auslösen. Praktisch für dieses Unternehmen, besorgniserregend für den Briefkasten, läuft der doch bald über vor lauter Werbung.

Street View geht nun noch weiter, denn nun wird man auch sehen können, ob die Fassade des Hauses noch nett aussieht und der Vorgarten gepflegt ist. Denn die Darstellung der Daten ist ausgesprochen genau. Und das kann man auch gerne weiterspinnen.

Beim Umgang mit personenbezogenen Daten geht es immer darum, wie genau die sind. Und wenn diese detaillierten Informationen auch noch mit anderen Informationen verknüpft werden, ergibt sich ein unglaublich genaues Bild über Personen.

Wo also soll es hingehen, wo endet das? Wird es bald normal sein, das bereits beim Anruf auf dem Handy per SMS angezeigt wird, wo sich die AnruferIn befindet und dass sie vor zwei Minuten eine Kaffee bei einem Kaffediscounter getrunken hat, der zwei Muffins und eine Tasse Kaffee zu 2,99 Euro im Sonderangebot hat?

Bei dem Protest gegen Google Street View geht es nicht nur um Street View, es geht um „Wehret den Anfängen“. Und darum werden wir in der aktuellen Stunde darüber diskutieren müssen. Jörg Güthler